Tagebuch auf Deutsch Teil XXII

Hier ist der 22. Teil des Tagebuchs auf Deutsch.

So 5.6.2016

Um 10 Uhr starte ich in das 333km entfernte Salento, um dort Alex ein letztes Mal zu treffen. Noch habe ich ausreichend Sprit, wenngleich mir all die geschlossenen Tankstellen so langsam Sorge bereiten. Ich bin noch nicht am Stadtrand angekommen, da halten mich zwei PKW Fahrer an der Ampel an und deuten mir an, dass diese Richtung wohl keine gute Idee sei. Der eine versichert sich nochmal, dann bekomme ich die Bestätigung: die Straße nach Cali ist auch heute gesperrt und die Aussagen, ob die Streikenden ausländische Fahrzeuge durchlassen, weichen voneinander ab. Für San Augustín bekomme ich grünes Licht. Alex werde ich somit nicht mehr treffen. Schon bald entpuppt sich die Straße als wunderschön und schon jetzt kann ich die Meinung vieler bestätigen, dass Kolumbien sicherlich zu den vielfältigsten und schönsten Ländern zählt. Gleichzeitig sind die Menschen hier unheimlich freundlich, offen, hilfsbereit und fröhlich. Ich fühle mich hier richtig wohl, obgleich mir ab und zu doch noch die Guerilla durch den Kopf schießt. Wahrscheinlich völlig unbegründet. In Coconuco kommt der erste Schotter mit heftigen Schlaglöchern. Hoffentlich geht das jetzt nicht so weiter. Glück gehabt. Nach 5km geht es asphaltiert weiter. Etwas später bleibt mir der Schotter dann doch erhalten. Aber in einem gut zu fahrenden Zustand durch herrliche Landschaft.

Beim Ablassen der Luft aus meinen Reifen kommt Julian vorbei und fragt mich sofort, ob er mir helfen kann, sieht dann aber gleich, was ich mache. Fortan fahren wir zusammen weiter. Mit seiner 110ccm Honda ist er zumeist sogar schneller als ich. Zwischendurch treffen wir auf einen Mopedfahrer mit Plattfuß. Mit meinem Kompressor füllen wir den Reifen; seinen Sozius nimmt Julian bei sich mit und setzen ihn vor seiner Türe ab. In Iznos kommen wir tatsächlich an einer Tankstelle vorbei, von der gerade ein Tanklastzug losfährt. Es gab Nachschub und gefühlte 100 Mopeds stehen Schlange. Das würde ewig dauern zumal die Zapfsäule noch nicht so richtig will. Noch habe ich für 150km Sprit. Da Julian diese Strecke regelmäßig fährt – er arbeitet in Pitalito beim Militär, wohnt aber in Popayán – kennt er so ziemlich jedes Haus. Und so fahren wir zu einem kleinen Haus entlang der Straße, wo ich 20 Liter aus einem Kanister – zugegeben zu überhöhtem Preis – bekomme.



Flecha ist wieder randvoll und wir können uns zum Mittagessen begeben. Anschließend besuchen wir den Salto de Mortiño, der über 100m in die Tiefe stürzt.

Am Abzweig nach San Augustín verabschieden wir uns und ich fahre die 5km hinauf in den Ort, der ansonsten nicht wirklich spektakulär ist, sondern mehr durch seine rätselhaften Ausgrabungen bekannt ist. Im Hotel Valladollyd bekomme ich ein schönes Cabaña für $35.000 (€ 10,-) mit Frühstück. Und ich habe sogar die Möglichkeit, mein Zelt zum Trocknen aufzubauen. Sehr gut.

Mo 6.6.2016

Nur kurz schafft es die Sonne durch die dicke Wolkenschicht, aber es hat nicht geregnet. Und so kann ich mein Zelt ordentlich zusammenpacken. In Kolumbien werde ich es wohl nicht mehr benötigen. Der nur 2km entfernte Park ist mein heutiges Ziel. Da kein Minibus vorbeikommt, mache ich mich zu Fuß auf den Weg. Es dauert nicht lange, als ein Wagen neben mir anhält und der Fahrer mich fragt, ob er mich zum Park mitnehme solle. Das ist ja klasse, zumal es dann doch ganz schön bergauf geht. So nette Menschen! An der Kasse muss ich inzwischen $20.000 anstatt $10.000 Eintritt bezahlen. Dafür gilt dieser auch für die Anlagen in Iznos. Die Ausgrabungen werfen bis heute viele Fragen auf, die kein Wissenschaftler so richtig beantworten kann. Es sind Grabsteine, -platten und –funde ebenso zu sehen wir Figuren, die ursprünglich im Ort verteilt standen. Der Spaziergang durch diesen Park ist herrlich. Durch den immer wieder auftretenden regen duftet die Natur wunderbar und die Vögel zwitschern.

Zurück zum Hotel nehme ich den Minibus und lasse mich erschöpft in eine der Hängematten fallen. Siesta! Nach Einbruch der Dunkelheit laufe ich zum nahegelegenen Italiener und lerne dort Philip kennen, einen Aussteiger aus Basel, der seit 10 Jahren hier lebt und eine Finka mit Kaffeeplantagen besitzt, von der er gut leben kann. Bis tief in die Nacht unterhalten wir uns und leeren 2 Flaschen Rotwein.

Di 7.6.2016

Der zunächst verhangene Himmel reißt auf und macht der Sonne Platz. Ich möchte noch einen Abstecher bei Philip machen, dessen Finka Ausgangspunkt zum Mirador La Chaquira ist, von dem man einen herrlichen Blick in das Tal des Río Magdalena hat. Zuvor fordert mich jedoch noch eine Wasserfurt, die bei näherem Betrachten dann problemlos zu durchfahren war.

 

 

Noch ein leckerer Cappuccino, dann verabschiede ich mich. Schon beginnt es an zu Tröpfeln. Weiter vorne schaut es schon wieder heller aus. So bleibt die Kombi erst einmal aus und ich kann den Wind bei dieser herrlichen Straße genießen. Kurz hinter Pitalito fängt es an zu Gießen. Ich drehe schnell um und ziehe meine Regenkombi an. Bis ich wieder zurück an der Stelle bin, ist die Straße zwar patschnass, aber die Sonne scheint! Enorm, wie schnell sich das Wetter hier ändert. Und bei 30°C ziehe ich die Kombi auch bald wieder aus. Kurz vor Garzón erwischt es mich erneut und ich werde total nass. Es dauert über eine Stunde, bis ich halbwegs wieder trocken bin. In Richtung La Plata wird es wieder dunkler.

Bis auf die vereinzelten Schlaglöcher, die meine Konzentration fordern, ist es eine kurven- und abwechslungsreiche Strecke. In La Plata mache ich bei einem leckeren Eisbecher – endlich mal wieder richtig gutes Eis! – eine Pause.

Erneut regnet es in Strömen und bis Tierradentro lasse ich die Kombi an. Die letzten 40km sind gut zu fahrender Schotter. Im „El Refugio“ quartiere ich mich ein ($48.000 inkl. Frühstück und Schwimmbad) und gehe anschließend in das einzige Restaurant am Platze.

Mi 8.6.2016

Bereits seit gestern meldet sich mein linker Meniskus auf sehr unangenehme, um nicht zu sagen schmerzhafte Weise, sodass ich heute beschließe, keine Wanderung durch den Park hier zu machen sondern mich gleich auf den Weg nach Salento zu machen. Während ich frühstücke, regnet es auch nochmal, was ein Pferd dazu animiert, mir Gesellschaft zu leisten.

Der Regen hat die Straße in eine Schlammpiste verwandelt und Flecha schaut in kürzester Zeit wie ein Schwein aus. Da die Straße zwischen Popayán und Cali immer noch blockiert ist, will ich die N35 nehmen. Zur Sicherheit tanke ich nach 20km nochmal und erfahre hierbei, dass diese Straße zum Einen aufgrund von Steinschlag für mich mit diesem großen Schiff nicht passirbar sein, und sie zum Anderen dort endet wo die Blockaden stattfinden.

way from Tierradentro to La Plata

way from Tierradentro to La Plata

Es bleibt mir nichts anders übrig: ich muss umdrehen und über La Plata nach Nieva. Keine Sekunde bereue ich diesen Entschluss, denn die Sonne scheint, es ist angenehm warm und die Straße wie gemacht für Motorradfahrer. In Nieva mache ich bei 39°C (!) Mittagspause.

Bis Ibague geht es – man hatte mich schon vorgewarnt – zumeist geradeaus. Das hat den Vorteil, dass ich zügig voran komme. Und da die großen Bäume ihre Äste weit über die Straße ragen lassen, kommt es mehr einer Allee gleich. Interessant, dass auch im Juni die Blätter von den Bäumen fallen – die Jahreszeiten sind eben hier anders, und es gibt nur zwei. Die Passstraße von Ibague nach Armenia ist sehr gut ausgebaut, hat jedoch enorm viel LKW Verkehr. Immer weiter nach oben geht es in den Nebel hinein und es sind auf einmal frische 15°C. Welch Kontrast. Erinnerungen an eine Kombination aus alter Brennerstraße, Jaufenpass und Sellaronde werden wach. Nach fast 500km komme ich in Salento an und werde im Hotel Posada del Café enttäuscht: kein Zimmer frei. So lande ich im Hostal Rancho Alegre, das zwar einen Parkplatz hat, jedoch Zimmer ohne Fenster und kein Internet. Außerdem riecht es stark nach der frisch aufgetragenen Farbe. Beim Italiener esse ich seit langem mal wieder eine Pizza, bevor ich in der benachbarten Cocktailbar einen der besten „Alexander“ trinke, der mich stark an eine Bar in Freiburg erinnert.

Do 9.6.2016

Nach einem Frühstück, das es auch nicht im Hostel gab, beschließe ich, die Unterkunft zu wechseln und ins Hotel La Terraza umzuziehen. Zuvor verhandle ich aufgrund der widrigen Umstände immerhin noch einen Nachlass von 20%. Gemütlich schlendere ich durch die Salentos Gassen, trinke noch einen frisch gepressten O-Saft

 

 

und fahre um 11.30 Uhr mit einem der „berühmten“ Willi-Jeeps ins 12km entfernte Valle Cocora. Hätte ich gewusst, dass die Straße in einwandfreiem Zustand ist, hätte ich problemlos auch Flecha nehmen können. Egal, abenteuerlich ist es mit 11 Personen in diesem Gefährt zu sitzen bzw. zu stehen. Naiver Weise dachte ich mehr an eine kleine Besichtigung dieses Tals. Als ich am Eingang auf Gabriel, einen Turi-Guide, mit zwei Frauen treffen, fordert dieser mich auf, mich der Gruppe doch anzuschließen. So laufen wir gemeinsam 5 Stunden einen Rundweg von 13km und hunderten von Höhenmetern. Immer wieder zeigt sich die Sonne und taucht die Landschaft in ein bezauberndes Licht. Die riesigen Palmen sehen aus wie überdimensionale Streichhölzer in der Landschaft. Auch wenn es schmerzhaft war – das Knie will noch nicht so richtig – hat es sich allemal gelohnt.

Ohne Gabriel hätte ich weder die Tour gemacht, noch die schönen Plätze gefunden. Zurück in Salento trinken wir noch gemeinsam einen Kaffee, bevor wir uns verabschieden.

Fr 10.6.2016

Nach dem leckeren Frühstück funktioniert endlich das Internet und ich mache mich dran, meinen Blog zu aktualisieren. Ich versäume auch kaum etwas, denn es regnet immer wieder in Strömen.

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2 thoughts on “Tagebuch auf Deutsch Teil XXII

  1. Hi Thommy….wow, so viele Eindrücke auf Deiner Reise – weiterhin wunderschöne Bilder.
    Wünsche Dir für den Rest Deines Aufenthaltes all the best, take care und komm gesund wieder.
    Heute beginnt für uns (deutsche^^) die Europameisterschaft, die Dich dort sicher nur periphär streifen dürfte 🙂

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    • Hallo Dave, Da die Spiele hier in der Regel am frühen Nachmittag sind, ist es tatsächlich schwierig, sie live zu verfolgen. Dafür habe ich gestern Columbia vs Costa Rica hier im public viewing miterlebt. Auch interessant. Und zum Finale bin ich ja zurück 😀 Viele Grüße Thommy
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