Tagebuch auf Deutsch Teil XVII

Hier ist der 17. Teil des Tagebuchs auf Deutsch.

Fr 22.4.2016 Endlich wieder in die Wärme

Die Nacht war durch lautes Schnarchen der Einen und im Traum lautes Erzählen der Anderen recht kurz und unterbrochen. Da meine heutige Etappe recht lang ist, stehe ich früh auf und hole nach 10 Tage Flecha wieder aus ihrem Quartier. Erneut will man, dass ich für 2 Tage bezahle, und es dauert wieder ein wenig, bis ich erklärt habe, dass ich nur die letzte Nacht bezahle. Ich fahre wieder in Richtung Süden. Kaum habe ich den Stadtrand erreicht, hört es auch auf zu Tröpfeln. Nach rund 70km nehme ich den Abzweig in Cumbapata, anstatt bis nach Sicuani weiter zu fahren. In Serpentinen geht es hinauf auf 4.000m und es wird mit 8°C recht frisch. Vorbei an Dutzenden Alpacaherden lande ich in El Descanso, wo die Straßen auch wieder geteert sind. Am Hauptplatz halte ich an, um mich zu orientieren.

way from Cusco to Arequipa

way from Cusco to Arequipa

Da kommt schon ein netter Polizist zu mir und fragt mich, wohin ich wolle und woher ich denn sei. Ich beantworte ihm seine Fragen und möchte von ihm wissen, ob das Restaurant hier an der Ecke zu empfehlen sei. Das bejaht er mit dem Zusatz, dass es auch das Einzige hier im Dorf sei. Für ein leckeres Menü mit Suppe und Fisch mit Reis bezahle ich 5 Sol, genau das Selbe, was ich hinterher für 2,5l Wasser berappen muss. Lange bleibe ich auf einer Höhe von 4.600 – 4.700m. Als die Sonne dann sich doch noch zeigt, entstehen tolle Eindrücke. Am Ende lande ich auf der Hauptverbindung von Juliaca nach Arequipa, die extrem stark befahren ist, vor allem von vielen LKW. Dennoch macht es Spaß, die vielen Kurven hinunter nach Arequipa zu fahren und mit der nötigen Power zu überholen. Bereits um 17.30 Uhr ist Sonnenuntergang und es wird schnell dunkel. Ich tanke und kämpfe mich durch die Millionenstadt. Im Hostel HomeSweetHome soll ich Flecha zunächst im Eingangsbereich abstellen, jedoch ist Flecha für die Türe zu breit. Man erbarmt sich, die Hofeinfahrt für mich zu öffnen, wo sie sicher unterkommt.

patio Arequipa Hostel HomeSweetHome

patio Arequipa Hostel HomeSweetHome

Für 40 Sol bekomme ich sogar ein Einzelzimmer mit permanent warmem Wasser. Das ist nicht selbstverständlich, da die Wasserknappheit schon zu leeren Spülkästen führt. Frisch geduscht mache ich mich auf Stadterkundung und bereue schon jetzt keine Sekunde lang, diesen Abstecher gemacht zu haben. Der Stadtkern, der zu weiten Teilen zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, zeigt prächtige Häuser, schönen Kathedralen und Kirchen sowie Geschäfte und gemütliche Restaurants und Bars. Mal sehen, wie lange ich hier bleibe. In einer Crêperie gönne ich mir zwei Crêpes, einmal salzig und einmal süß.

Sa 23.4.2016 Die Stadt in der Stadt

Anscheinend ticken die Uhren hier anders, denn bereits um 6 Uhr ist es taghell und alle Menschen sind sehr geschäftig. An Schlafen ist nicht mehr zu denken. Auf der Dachterrasse mit herrlichem Blick zu den beiden Vulkanen Chachani und Místi genieße ich mein Frühstück. Warme 20°C und wolkenloser Himmel laden zum Stadtrundgang ein. Als erstes besuche ich das Santa Catalina Kloster, in dem ich zusammen mit 2 amerikanischen Vulkanologen (Andy und Erin) eine 1-stündige Führung durch die riesige Anlage für gerade mal 10 Sol bekomme und wir viel über die Stadt in der Stadt erfahren, in der noch heute 14 Nonnen leben und arbeiten und sich den strikten Regeln des Klosterlebens unterwerfen. Vier Stunden vergehen wie im Flug.

Am Plaza de Armas stoße ich auf eine „Free Tour Downtown Arequipa“ Gruppe, der ich mich gerne anschließe und innerhalb von 2 Stunden so einiges über die Stadt und ihre Bräuche erfahre.

Auf einem Platz stoße ich dann tatsächlich auf ein Pärchen, das ich zuletzt in Valparaíso getroffen hatte. Am Abend will ich mein erstes Meerschweinchen essen und gehe in ein Lokal, das wir während der Stadtführung schon aufsuchten. Und dort treffe ich auf die Tourleiterin und ihre beiden Kollegen. So kann ich mein Spanisch üben und erfahre noch viel mehr über Peru und Arequipa.

So 24.4.2016 Ein schwarzer Tag

Um nicht die selbe Strecke wieder zurückfahren zu müssen, entscheide ich mich für den Weg durch die beiden Vulkane.

Zunächst noch asphaltiert ändert sich der Belag recht bald und wird sehr anspruchsvoll. Die Eindrücke sind unbeschreiblich, jedoch treibt mir der immer wieder auftretende Sand meinen Adrenalinspiegel heftig nach oben. Auf über 4.000m tauchen immer wieder Vicuñaherden auf. Nach über 50km habe ich es fast geschafft. Nur noch 8km bis zum Abzweig, doch dann hat der Sand mich doch noch vom Moped geholt und Flecha liegt wieder auf der Seite. Dieses Mal bekomme ich den Fuß jedoch nicht so schnell weg und der Koffer hält ihn fest.

Glücklicherweise kann ich den ihn aus eigener Kraft herausziehen und dank des guten Stiefels scheint dem Fuß auch nichts zu fehlen, sondern „nur“ die Achillessehne scheint gezerrt zu sein. Ich kann stehen, laufen und hoch und runter bewegen. Also Gepäck runter, Flecha aufgestellt, Gepäck wieder drauf und langsam weiterfahren. Am Ende kommt dann nochmal eine sandige Passage. Wie ich das hasse.Gemütlich fahre ich in Richtung Chivay zum 4.900m hohen Pass. Es wird schnell kühl und bei 12°C bereue ich nicht, doch noch die lange Unterwäsche angezogen zu haben. Die Landschaft ist abwechslungsreich, aber die vielen Schlaglöcher in der Straße fordern mich. Ein kleiner Felsbrocken stoppt dann jäh meine Fahrt, denn er hat doch tatsächlich den Schalter am Ständer gestreift und somit den Kontakt zerbrochen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Kabel freizulegen und die Kabel zu verbinden. Trotzdem passiert nichts. Flecha springt nicht an bzw. geht sofort aus, wenn ich den 1. Gang einlege. Bis ich kapiere, dass ich wohl zuvor einen Kurzschluss fabriziert habe und der Canbus erst durch Abstellen der Zündung wieder seine Arbeit aufnimmt. Und tatsächlich war das der Grund. Ich bin froh, dass ich weiterfahren kann, habe ich erneut nur das Wasser, das sich in meiner Jacke befindet. Mein Bedarf für heute ist gedeckt.

Vor Chivay komme ich an den Kontrollposten für das Touristenticket (70 Sol = €18,50). Die Dame ist unheimlich freundlich, kommt mir entgegen, sodass ich nicht absteigen muss und fragt mich, ob ich noch etwas wissen möchte. In Chivay esse ich erst eimal zu Mittag. War die Einfahrt zum zweitgrößten Canyon der Welt, dem Colca Canyon, schon eindrucksvoll, so führt die Straße nach Cabanaconde nun am traumhaften Canyon entlang. Zwischen Maca und dem Cruz del Cóndor kommt nochmal Schotter, der jedoch kurz zu fahren ist. Hier erreiche ich die 20.000km-Marke meiner Tour. Jetzt sind es noch 10km bis zum Hostel Valle Del Fuego, in dem ich Yamil mit Namen begrüße als ich eintrete. Es ist verständlicherweise sehr überrascht, freut sich aber, als ich ihn aufkläre, dass ich ein Freund von Alex und Isi bin, die letzte Woche hier waren. Für seinen „amigo“ zaubert er dann auch einen hervorragenden Pisco Sour. Dem Menüwunsch der drei Französinnen schließe ich mich gerne an und lasse mit ihnen den Abend recht früh ausklingen.

Mo 25.4.2016 Elegante Gleiter

Um kurz nach acht fahre ich das kurze Stück zurück zum Mirador, an dem bereits Hunderte Touristen stehen. Insgesamt zeigen sich an die 20 Kondore.

Dieser Anmut und die Eleganz, mit der der größte Vogel der Erde mittels Thermik dahingleitet, ist einmalig schön zu beobachten. Die Paare sind sich ein Leben lang treu. Es gibt sogar das Gerücht, dass das Männchen Selbstmord begeht, wenn die Partnerin gestorben ist, während die Weibchen im Falle des Todes ihres Partners sich wieder auf die Suche nach einem neuen Partner machen. Stundenlang könnte ich ihren Flugkünsten zuschauen, doch irgendwann wollen sie nicht mehr und so fahre ich in Richtung der Panamericana Sur weiter. Ab Cabanaconde folgen nun 160km Schotterstraße.

Auch hier treffe ich auf Vicuñas, die mich irgendwie an einen Panzer erinnern, denn ihr Hals und ihr Kopf verbleiben immer auf gleicher Höhe, egal was die Beine unten machen, ähnlich dem Panzerrohr, das immer den gleichen Level hält. Ich bin froh, dass mein Fuß nicht so schmerzt und ich im Stehen fahren kann. Es geht vorbei an einer tief roten Lagune mit Flamingos und Vulkanen, von denen einer noch aktiv ist und raucht. Doch was sehe ich nun? Meine Reichweitenanzeige zählt wesentlich schneller herunter, als ich Kilometer zurücklege. Wie ein Countdown bei Raketenstart. So viel kann sich Flecha gar nicht genehmigen. Also habe ich entweder ein Leck oder der Bordcomputer spinnt. Ohne anzuhalten fahre ich zügig zum nächsten Dorf und finde auch ein älteres Mütterlein, die tatsächlich meint, ich könne bei ihr auch Benzin kaufen. Ich stelle Flecha ab und habe schon den Tankrucksack herunter, als sie meint, dass sie leider doch kein Benzin hat. Hmm. Na gut, wieder festgeschnallt und Zündung angeschaltet, zeigt Flecha wieder 440km, anstatt 200km Reichweite und auch der Balken des Tankfüllstands ist wieder oben. Dieser Wert ergibt Sinn und so fahre ich zumindest beruhigt weiter, mit dem Wissen, dass ich kein Leck habe und mir das Benzin bis zur Küste ausreicht. Auch wen die Anzeige kurze Zeit später wieder anfängt zu spinnen. Ich bin in der Wüste angelangt, in der sogar die Kakteen kapitulieren. Die letzten 50km werden zur Tortur, denn eine ausgeprägte Wellblechpiste fordern Flecha und mich heraus. Und dann kommt erneut unterhalb 2.000m der widerliche Sand hinzu. Unten angekommen kommt mir auf die letzten Kilometer ein Sprenklerwagen entgegen. Ich denke mir, das ist praktisch, denn es staubt weniger und ich habe guten Gripp. Denkste! Die Fahrbahn ist die reinste Schmierseife und Flecha schlägt vorne und hinten aus. Mühsam kann ich sie stoppen und dann ganz langsam weiterfahren. Ein Wunder, dass ich oben bleibe. Endlich erreiche ich die Teerstraße, die schnurgerade in Richtung Küste führt und mir Zeit zum Verschnaufen gibt.

Je näher ich der Küste komme, desto gespenstischer wird die Stimmung. Es wird richtig dunkel. Aber kein Regen! Und dann kommen sogar tolle Kurven. In Camana tanke ich nach 500km „nur“ 26 Liter. Am Pazifik entlang entpuppt sich die Küstenstraße als reinstes Motorradeldorado. Tolle Kurven, immer wieder der Blick aufs Meer und ein herrlicher Sonnenuntergang.

In Chala finde ich eine preiswerte Unterkunft mit abgesperrtem Parkplatz. Noch immer ist es für mich ungewohnt, dass es um 18 Uhr dunkel ist.

Di 26.4.2016

Das Hostel war das bisher Dreckigste und Schlimmste, das ich je hatte. Das Personal ist unfreundlich und einsilbig und eigentlich bin ich froh, dass kein Frühstück bei den 30 Sol enthalten ist. Um Punkt 9 Uhr fahre ich auf der Küstenstraße weiter nach Nasca, eine Stadt, in der es im Jahr für ca. 10 Minuten regnet. Zunächst noch kurvenreich wird die Straße durch die Wüste dann recht eintönig. Es sind ja nur 100km. Immer dort, wo Flüsse aus den Bergen in Richtung Meer herunter kommen, entstehen kleine grüne Inseln, an denen sich Menschen niedergelassen haben. Die Temperatur steigt auf über 30°C und ich bin froh, das Hostel Nasca kurz vor Mittag zu erreichen. Hatte ich schon auf der Fahrt durch die Stadt nach einer Waschmöglichkeit für Flecha Ausschau gehalten bin ich umso überraschter, dass ich im Garten des Hostels Flecha ausgiebig reinigen kann. Jefrey, ein Langzeitbewohner, hilft mir aufopferungsvoll dabei und will hinterher partout kein Trinkgeld dafür.

garden where I cleaned Flecha

garden where I cleaned Flecha

Beim Putzen entdecke ich eine defekte Speiche, die ich beim besten Wille auch nicht mehr selber festgeschraubt bekomme. Solange es bei dieser einen bleibt, muss das bis zur Inspektion in Quito warten. Am Nachmittag schaue ich mir den Ort an und bin um 19 Uhr im Hotel Nasca Lines, in dem die 1903 in Dresden geborene Maria Reiche die letzten 25 Jahre verbracht hat und verstarb 1998. Ihr halbes Leben hat sie sich um die Ergründung der Nasca-Linien bemüht und eine einstündige Dokumentation in dem nach ihr benannten Planetarium gibt Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Astronomie und den Linien. Für 20 Sol nicht ganz preiswert aber lohnend. Zurück im Hostel begebe ich mich in meine kleine „Gefängniszelle“, die mich ebenfalls 20 Sol kostet.

Mi 27.4.2016

Für US$65,- kann ich direkt im Hostel einen Flug über die Linien buchen, was verglichen mit anderen Angeboten (US$75-90) sehr günstig ist. Um halb neun werde ich abgeholt und nach knapp 20 Minuten sind wir am Flugplatz. Ich entrichte die Flughafensteuer (25 Sol) und werde gewogen. Und dann geht es auch schon zum Flugzeug, wo wir nach Gewicht auf die einzelnen Plätze verteilt werden. Um 9.13 Uhr heben wir ab und folgen einer festgelegten Route, auf der wir je einmal von links und dann einmal von rechts die diversen Figuren sehen: Wal, Astronaut, Affe, Hund, Kolibri, Kondor, Spinne, Reiher, Papagei, Baum und Hände.

Viel zu schnell geht der Flug vorbei und nach exakt 30 Minuten landen wir um 9.43 Uhr wieder. Erstaunlich, wie sich Frau Reiche so lange mit diesen Linien beschäftigen konnte, die eine Fläche von 500km2 einnehmen. Wieder zurück verabschiede ich mich von Jefrey

Jefrey who helped me

Jefrey who helped me

und fahre nordwärts ins 140km entfernte Ica, biege links ab und erreiche nach 3km die einzige Oase Amerikas: Huacachina. Eine großzügig gestaltete Anlage des Hostels Carola del Sur bietet mir für 50 Sol ein Einzelzimmer mit Bad und hat sogar einen Pool.

Hier werde ich mich vom Großstadtgehupe der vergangenen Woche erholen. Leider zu spät entdecke ich, dass der Betreiber des Restaurants Israeli ist und entsprechend viele von ihnen sich hier aufhalten. Leider haben die Allermeisten weder Anstand noch Manieren; ich bekomme also erneut den allgemeinen Eindruck, den sie in ganz Südamerika hinterlassen, bestätigt. Schade eigentlich. Am Abend erwische ich wohl Piscos, die mit schlechtem Eis gemacht wurden, und mich die halbe Nacht mit Durchfall in die Keramikabteilung verbannen.

Do 28.4.2016

Langsam geht es besser. Mit Cola und Chips versuche ich meinen Magen wieder zu kurieren. Den restlichen Tag pflege ich den Blog und ruhe mich aus.

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4 thoughts on “Tagebuch auf Deutsch Teil XVII

  1. Lieber Thomas, Du hast die vielen Eindrücke so lebendig geschildert, Du hast die Ader, das große Glück im kleinsten noch zu sehen. Ich genieße jede Zeile, erfreue mich an den großartigen Aufnahmen und werde kurzatmig, wenn es staubt und die Piste alles von Dir und FLECHA verlangt. Dein guter Engel halte weiter Schritt mit Dir. Gute Reise Bernhard aus dem April-geschüttelten Hamburg

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  2. Hi!

    Hope the trip will keep beautiful. Valle del fuego was indeed a great stop. It was lovely meeting you. We tried the girly version of pisco sour from Yamin, but still found it not girly enough!
    Great pics from Arequipa and the Monastery, thanks for sharing.
    Enjoy Ecuador.
    Alexandrine

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    • Hi Alexandrine, Many thanks for your nice comment. I really enjoyed the time with you even it was a very short one. Cheers from Galápagos Island Thomas

      mobile: +49 (171) 2323931 Sent from my mobile device. Please excuse any typos.

      >

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