Tagebuch auf Deutsch Teil XIV

Hier der 14. Teil des Tagebuch.

Mi 30.3.2016 Minenbesuch

Unzählige Male bin ich aufgewacht, habe die Toilette aufgesucht und viel getrunken. Langsam geht es besser, fühle mich jedoch immer noch schlapp. Ich hoffe mal, dass die Immodium helfen. Zumindest ist der Appetit wieder da. Nach der Pflege der Website werde ich um halb zwei abgeholt und zusammen mit zwei Deutschen (Sabrina und Alexandra) bilden wir die englische Gruppe. Zunächst werden wir eingekleidet mit Stiefeln, Hose, Jacke, Helm und Lampe. Dann geht es weiter Shops, in denen die Minenarbeiter ihre gesamte Ausrüstung besorgen können und schlussendlich auch müssen, denn sie sind quasi Selbständig. Daher kaufen wir für die Arbeiter noch jeweils Geschenke: 1 Paar Handschuhe (10Bol), Dynamit (22Bol), 2l-Flasche Limonade (8Bol) und 2 Beutel Coca-Blätter (10Bol). Neben dem Guide gibt es noch einen Assistenten, der uns die Sachen alle abnimmt und trägt, worüber ich in dieser Höhe sehr dankbar bin. Mit einem Kleinbus geht es hinauf auf über 4.400m zu einem der über 500 Zugänge in den Cerro de Rico (der reiche Berg). Wir erhalten Einblick in die mühsame und schwere Arbeit der Minenarbeiter, die seit 1985 als Cooperativen arbeiten. Unser Guide weiß auch genau, wer welche Dinge am Dringendsten benötigt und verteilt unsere Geschenke dementsprechend. Höhepunkt der Tour ist die Sprengung von 13 Dynamitladungen, die zuvor mühsam in den Berg gebohrt wurden. Bei jedem Donner erschrecken wir und sind froh, dass nichts einstürzt. Zum Abschluss gehen wir noch zum Diabolo, dem regelmäßig Opfer dargebracht werden, damit er die Minenarbeiter beschützt. Auch einen kleinen Altar gibt es in der Höhle.



Das Laufen in gebückter Haltung ist anstrengend und ich bin froh, als ich wieder draußen bin. Das Tageslicht blendet ganz schön. Am Abend laufe ich noch durch die bunten Straßen der Stadt, die doch einiges vitaler als Uyuni ist. Auch tragen die Frauen hier Hüte, die mehr wie ein Cowboyhut aussehen, und nicht die runden Hüte. Die Abgase und die dünne Luft machen mir zu schaffen. Obwohl nur bestimmte Nummernschilder fahren dürfen, wüsste ich nicht, wohin die restlichen Autos passen sollten, denn alles ist verstopft und ein permanentes Hupen ist zu hören. Neben den vielen Ständen mit fettigem Essen, das auch dementsprechend stinkt, gibt es aber auch viele mit frischem Obst und den Säften daraus.

Do 31.3.2016 5-Sterne Straße

Erholt und wieder bei Kräften wache ich gegen acht Uhr auf, frühstücke und hole Flecha aus ihrem Quartier. Das geht einfacher als gedacht und kurz nach zehn mache ich mich auf den Weg nach Sucre. Die Sonne lacht von oben und die gut ausgebaute und kurvige Straße erzeugt bei mir ein breites Grinsen. Routiniert überhole ich die Autos an der Mautstation, grüße freundlich und fahre weiter. Trotz der Bemühungen der Stadt, die Müllberge einzudämmen und die Straßenränder zu säubern, schaut es zumeist fürchterlich aus und erinnert wohl eher an eine Sisiphusarbeit. Immer wieder stinkt es nach Kot und Urin. Bolivien ist mit Abstand das dreckigste Land bisher. Ich genieße die tollen Berge, die mal völlig grün sind, dann wieder felsig und schroff.

Trotz Sonne sind es nur 18°C. Und so bin ich froh, das Innenfutter nicht herausgenommen zu haben. Leider endet auch diese Fahrt, der ich 5 von 5 Sternen gebe. Sucre liegt auf 2.700m und entsprechend wärmer ist es hier. Es ist hier wesentlich sauberer, die Luft ist besser, es gibt unheimlich viele Geschäfte und ich freue mich auf einen Bummel durch die Stadt. Das angepeilte Grand Hotel hält leider nicht, was im Handbook steht. Es gibt keinen Parkplatz für Flecha, und so fahre ich weiter zum Hostal Pachamama, das einen wunderschönen Innenhof hat, in dem ich Flecha unterbringe.

Hostel Pachamama Sucre

Hostel Pachamama Sucre

Ein Einzelzimmer mit Bad kostet 80Bol (€10,50). Sagenhaft. Als erstes versuche ich ein letztes Mal, meine Wanderschuhe zu kleben, deren Sohle sich erneut löst. Dann mache ich mich auf den Weg zum Café Mirador, von wo aus man einen herrlichen Blick über die Stadt hat, ausgezeichneten Kaffee und leckeren Kuchen bekommt. Dazu einen Liegestuhl. Genau richtig für eine Siesta. Auf dem Rückweg komme ich am Mercado Central vorbei, einer Markthalle gleichend, wo ich aber sogar Naturjoghurt bekomme. Außerdem Äpfel und eine richtig süße Mango. Lecker!

Da es sich mit der Marktwirtschaft hier anders verhält, findet man in einer Straße alle Reifenhändler, in der nächsten alle Werkstätten, und eben in einer alle Friseurläden. Ich gehe in einen ohne Kunden hinein und bin nach 10 Minuten geschoren wieder draußen. Für 20Bol kann man nicht meckern.

Fr 1.4.2016 Den Dinos auf der Spur

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Patio fahre ich mit Jamie, einem Australier, der hier länger verweilt, für umgerechnet € -,20 hoch auf den Berg Cal Orck’o

Sucre from the top

Sucre from the top

zum Parque Cretácico. Hier gibt es das größte Feld an Fußspuren von Dinosauriern, die vor mehr als 65 Mio Jahren hier lebten.

 

 

 

 

Durch die Plattenverschiebung und die dadurch entstandenen Anden sind diese Spuren nun an einer Wand in einem Winkel von ~70° zu bewundern. Hauptsächlich vier verschiedene Arten sind hier unterwegs gewesen. Echt spannend. Anschließend gehen wir in einem non-profit Vegetarian Food Restaurant Falafel mit Käse essen. Ausgezeichnet. Für den Abend verabreden wir uns zum Steak essen im Grand Hotel. Dort treffen wir noch Roger, einen Kalifornier. Wir unterhalten uns angeregt über verschiedene Kulturen, Religionen und Lebensformen. Später ziehen wir noch um die Häuser und nutzen die uns angebotenen Happy-Hours. Die Diskothek hat zwar schon offen, wird sich aber erst gegen 1.30 Uhr füllen. Das ist uns dann doch zu spät und wir gehen ins Hostel zurück.

Sa 2.4.2016 Was für ein Tag

Ich verabschiede mich von Jamie – vielleicht kommt er im Herbst nach Deutschland – und stürze mich wieder in den Verkehr. Mein Navi bringt mich brav aus der Stadt. Jedoch komme ich an keiner Tankstelle vorbei, und so befrage ich das Navi auch hierzu. Ich muss 5km zurück. Dort angekommen, werde ich darüber aufgeklärt, dass man Flecha nicht mit dem Tankrüssel betanken kann, sondern das Benzin zunächst in einen Kanister abgefüllt werden muss.

Auf erneutes Nachfragen meinen die Damen, dass es sonst 10Bol pro Liter kosten würde. Auch muss mein Motorrad von der Zapfsäule weg in Richtung Shop. Gesagt, getan. Jetzt stellt sich die Frage, wie ich das kostbare Nass in den Tank bekomme. Kurze Zeit später kommt eine der Damen mit einer abgeschnittenen Cola-Flasche zurück und gemeinsam schütten wir den Inhalt in den Tank, ohne dass allzu viel daneben geht. Auch ein weiterer 5l-Kanister wird mir gebracht und am Ende zahle ich 55Bol, d.h. €-,45 pro Liter. Das ist unschlagbar und der Mühe wert. Es dauert noch ein wenig, bis ich ganz aus der Stadt draußen bin. Dann folgt eine traumhaft schöne Straße in Richtung Oruno (RN6). Ich genieße jede Kurve in vollen Zügen, dazu die spannende und abwechslungsreiche Landschaft.

Nach ~50km endet der Asphalt und ich frage einen am Straßenrand sitzenden ungefähr 12-jährigen Jungen, ob das der Weg nach Oruno sei und ob wieder Teer komme. Beides bejaht er. Na dann fahre ich mal weiter. Leider bleibt es beim Schotter und es kommt noch schlimmer. Eine Sperre, die besagt, dass man nur von 7-8, 12-13 und 18-19 Uhr durchfahren darf. Es ist kurz vor drei und ein Schlafquartier in weiter Ferne. War es bis jetzt schon anstrengend, so liegen meine Nerven nun blank. Ich frage erneut, ob es nicht mit dem Motorrad möglich sei, durchzufahren. Als Antwort bekomme ich, dass ich es versuchen könne. Bis zur nächsten Kurve. Dort räumt ein Bagger die auf den Weg gefallenen Felsbrocken und Steine weg. Als dieser zur Seite fährt, kann ich vorbei. Es ist zwar schon mühsam, aber es geht. Bis zur nächsten Kurve. Oben auf einem Felsen in ca. 30m Höhe trägt ein Bagger Stück für Stück den Felsen ab. Von einem Arbeiter bekomme ich signalisiert, dass ich nun auch diese Stelle passieren darf. Jetzt stehe ich vor einem riesigen Haufen Geröll und Steine und ich befürchte, dass es nun doch bis 18 Uhr andauern wird. Nach 10 Minuten jedoch kommt mir ein 4×4 entgegen und ich bekomme das Zeichen, jetzt die Chance zu nutzen und vorbei zu fahren. Wie soll denn das gehen?

 

Zunächst versuche ich es mit nebenher laufen und gleichzeitig schieben. Das geht gar nicht und ich setze mich drauf. Zwei Arbeiter schieben von hinten und passen auf, dass ich nicht umfalle. Oben angekommen muss ich nur noch auf der anderen Seite wieder runter. Da auch noch eine Kurve dabei ist, kann ich Flecha zwar gerade noch halten, bekomme sie aber alleine nicht wieder hochgestemmt. Die beiden sprinten erneut zu mir und helfen mir auf. Noch 30m. Geschafft! Das war Schwerstarbeit, aber ich kann schon um kurz vor vier weiterfahren. Vom Asphalt habe ich mich verabschiedet und der nächste Abzweig ist in 62km. Überall ist es dunkel und Gewitter bahnen sich mit Blitzen an. Das Glück ist mir hold und der Regen verschont mich. Dafür bekomme ich eine atemberaubende Kulisse geliefert.

fantastic colors at 4.300m

fantastic colors at 4.300m

Immer noch bewege ich mich auf 4.300m Höhe und ich sehe keine Übernachtungsmöglichkeit. Immerhin bekomme ich etwas zu Trinken. Erst 2l Limonade für 5Bol, da es hier kein Wasser gibt. Kurz darauf ergattere ich 2l Wasser für 10Bol. Welch kostbarer Satft! Bereits um 18.30 Uhr ist es dunkel. Immerhin habe ich wieder teer unter den Reifen und bis zur Hauptstraße sind es nur noch 36km. Das schaffe ich jetzt auch noch. Leider gibt es auch hier kein Hostel oder dergleichen. Ich befrage mein Navi, das mir angibt, in 36km ein „Bush Camp“ vorzufinden. Es ist abenteuerlich mit den vielen LKW und verrückten Autofahrern auf der Hauptverbindung Potosí – La Paz unterwegs zu sein. Und tatsächlich erreiche ich gegen 20.30 Uhr einen wohl ehemaligen Campingplatz, der nicht mehr betrieben wird. Gut genug, um mein Zelt nur mit Stirnlampe aufzubauen, ist er allemal. Noch ein paar Nudeln mit Thunfisch gekocht, dann wird geschlafen. Trotz nur 3.750m Höhe schlafe ich unruhig und wache häufig auf.

So 3.4.2016 La Paz

Die Sonne weckt mich mit angenehmen 20°C

bush camp on my way to Oruro

bush camp on my way to Oruro

und um viertel nach zehn fahre ich auf der RN1 (Panamericana) in Richtung La Paz. Die Straße ist langweilig und ab Oruro sogar 4-spurig. Witziger weise tauchen trotzdem immer wieder Überholverbot Zeichen auf – und das im spartanisch ausgestatteten Bolivien – die wohl Relikte aus vergangener Zeit sein müssen, denn sie ergeben keinen Sinn. Vorbei an vielen Geisterdörfern führt die Autobahn auch immer wieder mitten durch die noch belebten Dörfer hindurch. Brücken sollten einen von einer Seite auf die andere bringen. Das wird jedoch ignoriert und die Menschen klettern über die Blöcke und laufen einfach über die Straße. An diesem Tag kommen mir erstaunlich viele Motorradfahrer entgegen und grüßen – bis auf die Harley Fahrer J Gegen 15 Uhr erreiche ich La Paz am oberen Ende von La Alta her.2016-04-03__15-34-58__IMG_3978 Der Blick ist imposant, genau wie der Gestank und der Verkehr. Im Hotel Cruz de los Andes bekomme ich ein schönes Zimmer direkt in der Innenstadt und Flecha ihren Parkplatz in der Garage. Das ganze für 130Bol (€17,-) mit Frühstück. Ich kann mich noch zu einer kleinen Stadtbesichtigung aufmachen. Vorbei am Hexen-Markt (mercado de las bruchas) zur Catedral San Fransico, die sogar zum abendlichen Gottesdienst geöffnet ist. Am Plaza Muralla befindet sich der Regierungssitz, der Justizpalast und das nationale Kunstmuseum.

In einem unheimlich romantischen und nett eingerichteten Restaurant (Colonial) genieße ich mein Abendessen und zum Abschluss noch einen Pisco Sour.

Mo 4.4.2016 Todesstraße

Nach langem Überlegen entscheide ich mich dazu, den Camino de la Muerte, die Todestraße, nach Coroico heute komplett bepackt zu fahren. Bis ich mich durch La Paz’ Verkehr gezwängt habe, vergeht eine Stunde. Für sieben Kilometer. Endlich haben auch die vielen Bodenwellen ein Ende. Leider beschließt auch die Sonne zu verschwinden. Es wird nebelig und der anfängliche Dunst wird zu handfestem Regen, der immer stärker wird. Natürlich ist meine Regenkombi, optimistisch wie ich immer bin, ganz unten in der gelben Gepäcktasche. Oben auf 4.600m herrschen nur noch 4°C. Bei einer Kontrollstation für Narkotika frage ich den Herrn, ob die Straße gut zu befahren sei und trocken ist. Ja, schon, aber ich soll auf mich aufpassen. Der viel zitierte Umweg ist gar nicht so groß, nur etwa 20km. Natürlich fahre ich jetzt die alte Straße. Gleich zu Beginn hängt ein Drahtseil über der Fahrbahn, das sich erst nach Bezahlen von 25Bol (€3,30) und einer Registrierung hebt. Die Dame gibt mir noch den Tipp, dass ich nach Copacabana nicht auf dem gleichen Weg über La Paz fahre solle, sondern die Straße über den Berg nehmen soll. Der sei schöner und es würde auch nicht regnen. Das höre ich gerne. Gemeinsam mit etlichen Mountain-Bikern stürze ich mich die Straße hinab. Sie hat inzwischen die Gefährlichkeit verloren, da doch einige Leitplanken installiert wurden und es so gut wie keinen Gegenverkehr mehr gibt. Dennoch ist hier Linksverkehr angesagt. Die Fahrt durch den immer dichter werdenden Dschungel macht Spaß und die eine oder andere Wasserdurchfahrt fordert mich.

Stärkere Regenfälle in den letzten Tagen zeigen ihre Spuren. Auf 2.000m sind es angenehme 20°C und es riecht nach dem typischen Gewächshaus. Plötzlich versperrt erneut ein über den Weg gespanntes Drahtseil den Weg. Erneut sind 25Bol fällig. Weiß der Teufel, warum die nicht gleich am Anfang 50Bol kassieren. Wer dreht denn hier schon um und fährt wieder zurück. Was soll’s. Weiter geht es auf der linken Seite und ab und zu kommt doch wirklich ein Anwohner im Affenzahn um die Kurve. Also Vorsicht! Soweit der Nebel sich verzogen hat, zeigt sich das Tal mit seiner unglaublich steilen Wand und extremen Tiefe. Eine Schranke zeigt sich und öffnet ich erst, nachdem ich meine beiden teuer erstandenen Tickets vorweisen kann. Der Kontrollabschnitt wird jeweils abgetrennt, dann darf ich weiter. Eine weitere Furt lässt Flecha besorgniserregend aufsetzen und das Hinterrad springt nach oben. Nur gut, dass ich das verstärkte Blech habe, denn direkt darüber liegt der Ölfilter. Es scheint gerade nochmal gut gegangen zu sein. Kurz vor Coroico zeigt sich die Fahrbahn mehr als Schlammpiste denn als Straße. Hier ist vor allem mein Hinterreifen überfordert und schwänzelt wie es ihm beliebt. Spaß macht das keinen, denn ich verliere komplett die Kontrolle. Nur mühsam halte ich die Spur und erreiche endlich wieder griffigen Boden. Puh! Hatte ich zuvor noch gedacht, dass der Regen meine Kombi ein wenig säubert, habe ich den Gedanken verworfen. Ich schaue aus wie ein Schwein. Mein Navi schickt mich rechts nach oben. Dazu habe ich keine Lust und fahre weiterhin bergab, in der Hoffnung, dass die asphaltierte Strecke nach Coroico führt. Leider hat das Restaurant „Monte Carlo“ geschlossen. Weiter unten ist die Straße nach Coroico gesperrt. Als ob das mein Navi wusste. Jetzt fahre ich aber nicht mehr zurück. Stattdessen gönne ich mir an einer Imbissbude ein Hühnchen mit Reis. Gestärkt fahre ich weiter in Richtung Caranavi. Es dauert nicht lange, da werde ich wieder aufgefordert, auf der linken Seite weiter zu fahren. Hoffentlich halten sich die entgegenkommenden Fahrzeuge auch daran. Noch entschließt sich mir der Sinn nicht. Flecha und ich tanzen durch die Kurven und können es noch gar nicht glauben. Bis unser Tanz abrupt unterbrochen wird und eine schlammige Schotterpiste uns begrüßt. Je weiter ich diese Straße fahre, desto gefährlicher erscheint sie mir.

way to Caranavi

way to Caranavi

Links geht es ähnlich steil hinunter (nur nicht so tief, wie zuvor) und die Straßenverhältnisse erfordern vollste Konzentration. Wasserdurchfahrten, die ich nicht erst durchschreiten kann, erscheinen plötzlich und jedes Mal ist mir ein wenig mulmig, weiß ich doch nicht, was mich tatsächlich erwartet. Immer wieder kommen kurze Teerstücke, auf denen ich die Landschaft und ihre Tierwelt genießen kann. Es kreisen Hunderte von Greifvögeln über mir, Papageien kreuzen die Fahrbahn und kleine und große, farbenfrohe Schmetterlinge begleiten mich. Der Gegenverkehr nimmt keinerlei Rücksicht auf mich und so versuche ich, jeweils rechtzeitig anzuhalten, bevor er mich völlig mit Schlamm vollspritzt. Dennoch gefällt mir die Strecke und nach 65km erreiche ich in einer Höhe von 650m Caranavi, einen Ort, der wesentlich größer und turbulenter ist, als gedacht. Weder Navi noch Handbook haben einen Vorschlag für eine Unterkunft. So suche ich das Jatata Inn Hotel, das ich auf einer Werbetafel gesehen hatte. Es ist wohl das beste Hotel im Ort. Umso überraschter bin ich, dass das Zimmer nur 130Bol (€17,-) kosten soll. Sogar ein 25m-Becken ist dabei, in das ich mich sofort stürze und meine Bahnen schwimme. Leider gibt es kein Restaurant hier und so mache ich mich ins Städtchen auf. Vorher erfahre ich vom Hotelleiter noch, dass die Fahrt über die Berge zwar wohl möglich sei, empfehlen kann er es mir nicht. Also morgen doch wieder die gleiche Strecke nach La Paz zurück.

Di 5.4.2016 Diese Autofahrer

Gegen halb acht werde ich geweckt. Nein, nicht vom Wecker und auch nicht von Tropfen auf das Aludach. Es schüttet in Strömen und mein erster Gedanke gilt den eh schon tiefen Wasserlöchern und dem Schlamm. Ein dürftiges Frühstück macht mich nicht glücklich, und so hole ich meine Regenkombi heraus, packe alles etwas wasserfester ein und mache mich auf den Weg. Inzwischen hat der Regen fast ganz aufgehört. Schon bald muss ich feststellen, wie sehr es wohl gewütet hat, denn die Straße ist übersät mit Geröll und Felsbrocken, die der Regen herunter gespült hat. Konzentriert ist das alles machbar und nach 25km kommt die befürchtete Passage, auf der Flecha jetzt schwimmen lernen darf. Es geht erstaunlich gut, da der Untergrund in den Wasserlöchern griffig ist. Auch der Schlamm und die Spurrillen können uns nichts anhaben. Nur fahre ich meinem Hintermann auf diesen 300m zu langsam. Er hupt und will unbedingt vorbei. Ich halte an, fluche und beschimpfe ihn, und fahre weiter. Es geht alles gut und der Teer kommt wieder. Kurze Zeit später deuten mir Personen am Fahrbahnrand an, langsam zu machen. Tatsächlich hängt der mich vorher Drängelnde mit seinem Toyota an der Felswand. Eine Bremsspur zeigt, dass er viel zu schnell in die Kurve fuhr und kein ABS besitzt. Langsam steigen alle Insassen aus. Es sieht so aus, als ob sie mit dem Schrecken davon gekommen sind. Erneut zeigt sich für mich, dass die Bolivianer für mich die bisher schlechtesten Autofahrer sind. Blinker und Licht sind nur zur Zierde. Reifen ohne Profil sind Standard und die Hupe das wichtigste Utensil. An der Kreuzung von der alten und neuen Straße treffe ich eine Gruppe von fünf deutschen Bikern, die ihre Motorräder extra für 5 Wochen mit dem Schiff herüber gebracht haben. Erstaunlich. Auch die neue Straße hat ihren Reiz und bei besserer Sicht bestimmt auch einmalig schön. Innerhalb von 60km von 700m auf 4.600m Höhe bei einem Temperaturunterschied von 20°C. Oben angekommen, wird Flecha trotz stärkerem Gasgeben immer langsamer. Ich kämpfe gegen die Bremse an. So ein Scheiß! Was soll das denn. Ich warte kurz, und kann, was auch immer der genaue Grund war, weiterfahren. Anscheinend hatten sich Schlamm oder kleine Steine in der Bremse eingenistet und festgesetzt. Hauptsache, ich kann weiter. Um die Mittagszeit erreich ich wieder La Paz, esse eine Kleinigkeit zu Mittag, tanke nochmal für 6Bol/l und bin froh, dass mein Navi mich sicher durch den Verkehr lotst. Unglaublich, wie weit sich die Stadtgrenze inzwischen verlagert hat. Mehr als 90 Minuten brauche ich, um wieder draußen zu sein, wobei auch noch an allen Enden gebaut wird und Umleitungen zusätzliche Herausforderungen darstellen. Diese ziehen sich auch weiter auf der RN2 in Richtung Copacabana. An einer Polizeikontrolle will der Beamte doch tatsächlich meinen Ausweis sehen. Der ist vergraben im Tankrucksack, der wiederum noch seine Regenhülle übergestülpt hat. So dauert es eine Weile, zum Ärger der nachfolgenden Fahrzeuge, die ich gerade noch überholt hatte, bis ich wieder alles eingepackt habe und weiterfahren kann. Eine Regenfront liegt direkt vor mir. Hoffentlich ist die weg, bis ich komme.

thunderstorm on my way to Copacabana

thunderstorm on my way to Copacabana

Rechtzeitig kommt der Abzweig und beschert mir Sonne und eine wunderschöne Straße. Das Wasser auf der Straße zeugt noch davon, dass es nicht lange her sein kann, dass der Regen hier herunter kam. Und dann kommt doch tatsächlich vereinzelt Schnee.

snow on my way to Copacabana

snow on my way to Copacabana

Nur gut, dass ich M+S Reifen habe 🙂 Bald komme ich zur Fähre, von der ich erstaunt bin, dass sie wirklich in der Lage ist, auch noch tonnenschwere Gefährte zu befördern.

Mit Flecha auf den Längsbalken aufzufahren ist kein Problem. Bloß wie wieder herunter kommen. Nach 15 Minuten sind wir drüben und zwei Männer helfen mir, mich rückwärts wieder auf das Festland zu schieben. Ich frage noch höflich nach, was die Fährfahrt kostet und soll tatsächlich 20Bol (€2,60) zahlen. Ohne zu monieren zahle ich den Betrag, fühle mich jedoch über’s Ohr gehauen. Weiter geht die tolle Fahrt,

bis mir fast das Herz stehen bleibt. Aus einer Kurve kommt mir ein Kleinbus mit extremer Schräglage auf meiner Fahrbahn entgegen. Ich halte sofort an und mache mich ganz schmal. Nochmal gutgegangen. Trotzdem wollte ich in diesem Bus nicht gesessen sein. Bald erreiche ich Copacabana. Eine Polizeikontrolle mit gespanntem Drahtseil hält mich auf. Ich muss mich mit meinem Pass registrieren. Von mir aus. Dann will er auch noch Geld haben. Der Tourismuschef will das so. 10 Bol! Als ich ihm sage, dass ich noch nie der Polizei Geld gezahlt habe und ihn frage, wo die Preisliste hierfür sei, zeigt er mir einen windigen Zettel mit einem Stempel und einem Betrag von nur noch 8 Bol. Es ist mir für €1,- zu mühsam, darüber zu streiten, gebe ihm den Betrag passend und darf einfahren. Das Hostel aus meinem Handbook will doch tatsächlich 540 Bol (€ 69,-) pro Nacht. Da ich keine goldenen Türgriffe gesehen habe, suche ich weiter und frage gegenüber im Hotel an. Für 100 Bol (€13,-) mit Frühstück schlage ich zu. Das Zimmer ist sauber, groß und hat sogar Blick auf den See! Flecha bekommt einen absperrbaren Parkplatz und ich eine heiße Dusche. Im Tourismusbüro kann ich eine Fahrt zu Isla del Sol für 30 Bol buchen, was erneut zeigt, wie teuer die Fähre zuvor war. Den Abend lasse ich am Strand mit einer ausgezeichneten Forelle und einem Pisco Sour ausklingen.

Mi 6.4.2016

Das Frühstücksbüffet bietet Obst und Joghurt, diverse Brotsorten und einen extrem starken Kaffee. Anschließend besuche ich die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes, die Basilika,

Basílica Virgen de Copacabana

Basílica Virgen de Copacabana

bringe meine Wäsche weg, buche die Tour für morgen und widme mich der Pflege meines Blogs auf der Terrasse eines Strandcafés. Bis es zu kalt wird und ich mich zum Abendessen aufmache.

Do 7.4.2016 Isla del Sol

Um viertel nach acht stehe ich am Strand von Copacanaba und eine gespenstische Stimmung macht sich breit.

Copacabana beach in the morning

Copacabana beach in the morning

Hätte ich doch nur gestern die Tour gemacht, schießt es mir durch den Kopf. Zusammen mit anderen Booten machen wir uns auf den Weg zur Isla del Sol. Als die Blitze direkt neben unseren Booten einschlagen, will eine Frau im Nachbarboot umdrehen, was natürlich nicht geht. Nach etwa zwei Stunden kommen wir im parte del sur an, wo der Kapitän meint, ich müsse aussteigen. Ich erkläre ihm, dass ich das Gleiche gebucht habe, wie die beiden Mädels hier neben mir, und sitzen bleibe, zumal der Preis der Gleiche ist. Als wir im Norden ankommen, hat es bereits aufgehört zu regnen und der nette Guide erklärt uns, dass bald die Sonne hervor kommt. Sogar eine Schule für 112 Schüler gibt es hier. Wir wandern weiter zum hl. Felsen (roca sagrada) und den Ausgrabungen, in denen es sogar einen Brunnen mit hl. Wasser gibt.

Die Sonne kommt heraus und bietet ein tolles Spektrum an Farben. Gemeinsam mit Eva und Leoni, die hier ein soziales Jahr in Bolivien verbringen und von der Kindernothilfe unterstützt werden, wandern wir die acht Kilometer zum südlichen Teil. Ganz schön anstrengend auf einer Höhe von rund 4.000m. Kurz zuvor hat es sogar noch hier gehagelt! Und ich bekomme meine ersten Alpacas zu Gesicht.

Rechtzeitig zur Abfahrt um 15.30 Uhr sind wir am Boot, sodass wir leider keine Zeit hatten, die schöne Aussicht bei einem frischen Saft zu genießen.

Erneut meint der Kapitän, dass mein Ticket falsch sei, was ich jetzt gar nicht verstehe, wollte er mich doch hier heute morgen absetzen. Ich frage, wie lange er noch mit mir diskutieren möchte, oder ob wir jetzt fahren können. Ich werde das mit der Agentur klären. Natürlich darf ich mit und um 17 Uhr sind wir zurück.

back to Copacabana

back to Copacabana

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2 thoughts on “Tagebuch auf Deutsch Teil XIV

  1. Hallo Thomas, span end dein trip durch und die Stories über Zentral-und Südamerika.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß und einen sicheren Trip
    Liebe Grüße vom Ex-Nachbarn Rudolf

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