Tagebuch auf Deutsch VIII

Hier der 8.Teil des Tagebuchs auf Deutsch. Viel Spaß!

Fr 19.2.2016 Punta Ninfas and Punta Lomo

Die Sonne strahlt wieder und ich entschließe mich, noch einen Tag hier im Hostel zu bleiben und einen Tagesausflug nach Punta Ninfas zu machen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als extrem eintönig, da es 70km nur geradeaus geht. Außer ein paar die Fahrbahn kreuzenden Schafen und Pferden, die zugegeben wunderschön sind, passiert nichts Aufregendes. Am Ende werde ich jedoch mit einem tiefblauen Meer und absoluter Einsamkeit belohnt.

Pta Ninfas panorama

Pta Ninfas panorama


Das Gelände eignet sich sogar für einen Enduropark 🙂 Erst jetzt bemerke ich, dass ich meinen Wasserbeutel verloren habe, der auf dem linken Koffer befestigt war. Also Augen auf bei der Rückfahrt. Und da liegt er tatsächlich – und keines der drei Autos ist drüber gefahren. Glück gehabt, auch wenn ich dessen Verlust hätte verschmerzen können. Erstaunlich, dass ich bis heute gerade einmal ein Küchenhandtuch und den Arm zum Verstellen meines Stativs verloren habe, das ohne diesen sinnlos ist und ich daher weggeschmissen habe. Die Rückfahrt ist entsprechend langweilig und so versuche ich mein Glück am Punta Lomo. Zunächst noch schöne Kurven auf Asphalt geht es nach 7km in anspruchsvollen Schotter über. Die Strände hier laden nicht zum Verweilen ein, da zum Einen überall Glasscherben liegen und zum Anderen viel Seetang. Am Punta Lomo gibt es für $100,- (€6,50) Eintritt eine Plattform, von der aus man die kleine Bucht

mit Seelöwen und Kormoranen sehen kann. Etwas ernüchternd. Dazu noch einen 300m langen Lehrpfad über die einheimische Flora mit sechs Tafeln. Naja, irgendwie hatte ich mir das spektakulärer vorgestellt. Dafür gönne ich mir jetzt ein ausgezeichnetes selbstgemachtes Eis und am Abend am Strand einen Seehecht und abschließend einen hervorragenden Pisco Sour.

Sa 20.2.2.2016 Península Valdés

Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um 32°C fahre ich – vorbei am Kriegerdenkmal für die Falklandsoldaten – auf der anspruchsvollen Küstenstraße in Richtung Península Valdés Der Eintritt in den Park kostet $260 (€16,-) und ein Informationscenter gibt einen guten Überblick über die Insel und ihre Entstehung. Nachdem ich endlich auf dem extrem vollen Campingplatz eine geeignete Stelle für mein Zelt gefunden habe, verbringe ich den Rest des Tages mit Baden, Lesen und Faulenzen am gut gefüllten Strand. Auch die Einheimischen verbringen hier ihr Wochenende.

So 21.2.2016 Inselrundfahrt

Als ich aufstehe kommt gerade die Sonne heraus. Es ist 6 Uhr und ich mache mich zeitig auf den Weg nach Punta Cantor, da dort heute um 8 Uhr der Höchststand der Flut ist. Natürlich bin ich der erste und werde freudig von einen kleinen schwarzen Katze begrüßt. Ich bekomme Seelöwen und Pinguine zu sehen, jedoch keine Wale geschweige denn Orcas, dafür aber verschiedene Vögel und eine Eidechse.

Weiter zum Punta Norte, wo der Höchststand um 10 Uhr ist. Auch diese Straße ist mit denen im Landesinneren durchaus vergleichbar: flache Steppe und immer geradeaus. Ab und zu mal eine Biegung und ein kleiner Hügel, der großartig mit extremem Gefälle oder Steigung durch Schilder angekündigt wird. Das war’s. Auch die Tiere sind die gleichen: Schafe, Pferde, Ñandus, Guanacos und ab und zu ein Fuchs. Und während ich so dahinfahre, fährt mir auf einmal der Schreck in die Glieder. Aus einem Gebüsch kommt unvermittelt ein Guanaco direkt auf die Fahrbahn und erschrickt wahrscheinlich ähnlich. Keine 50cm von meinem rechten Bein entfernt kann es seine Hufe in den Kiesel hauen und rennt nun parallel zu mir um die Wette. Das ist gerade nochmal gut gegangen. Trotzdem spüre ich meinen Herzschlag am Hals und bin froh, dass uns beiden nichts passiert ist. Um halb elf komme ich an und treffe dort Anita und Andrew aus Australien wieder, die ich zuvor im Bosque Petrificado kennen gelernt hatte. Sie kommen mir bereits entgegen und meinen, dass es seit zehn, elf Tagen keine Orcas mehr hier zu sehen gab. Dafür ist heute ein See-Elefant am Strand, der sich auch nicht oft blicken lässt. Er schaut zwischen den vielen Seelöwen wie ein Felsen aus.

pta Norte Penisula Valdes panorama

pta Norte Penisula Valdes panorama

Den Jungen könnte ich stundenlang beim Spielen zuschauen. So süß und tollpatschig. Außerdem sind zahlreiche Gürteltiere hier zu sehen. Eines zeigt sich sogar rücklings. Der Rückweg nach Punta Pirámides ist noch langweiliger.

Pta Pirámides

Pta Pirámides

Auch hier liegen Seelöwen und baden in einer Pfütze, die sich erwärmt, bis die nächste Flut kommt. Den Rest des Tages verbringe ich nochmal am Strand und ich bin froh, dass es auf dem Platz zunehmend leerer und ruhiger wird.

Mo 22.2.2016 Von Ost nach West (10.000km geknackt)

Es gibt keinen Ort, an dem sich der Sand nicht breit gemacht hat. So dauert das Packen etwas länger als sonst. Um elf Uhr bei erneut 32°C mache ich mich auf, hole noch Geld in Puerto Madryn und fahre nach Trelew. Dort steht die älteste walisische Kirche Capilla Moriah, die leider verschlossen ist. Die Weiterfahrt beginnt verheißungsvoll mit ein paar Kurven, doch bis Las Plumas kommen keine zwanzig hinzu, die diese Bezeichnung verdienen, das heißt mehr als 3° Schräglage erfordern. Kurz vor Las Plumas ändert sich das Bild schlagartig und ich bin schon ganz neugierig. Also Tanken, Vorräte auffüllen und weiter geht’s. Nichts war es mit Kurven. Nur die Landschaft wechselt ab

und wird facettenreicher. Pferde schauen neugierig und mein Tacho zeigt 31.500km. Somit bin ich seit Valparaíso inzwischen 10.000km gefahren. Vorbei am Paso de Indios, der mit etwas über 400m nicht erwähnenswert ist, denn anschließend geht es weiter hoch in die Berge. Ich sehe einen Kleinlaster von einem Hof kommen und warte, bis er die Hauptstraße erreicht, um ihn zu fragen, ob ich beim ihm mein Zelt aufstellen darf. Natürlich darf ich. Der Wind wird stärker, und ich bin froh, etwas Schutz zu finden.

Gleich werde ich von einem roten Kater in Empfang genommen, mit dem ich mein Abendesse teile. Ich genieße den Sonnenuntergang, der wesentlich früher ist, je weiter ich in den Norden fahre. Die Tage sind inzwischen drei Stunden kürzer als in Ushuaia.

sunset wild camping near RN25

sunset wild camping near RN25

Di 23.2.2016

Die Nacht war mit richtig kalt und selbst in der Sonne ist es im T-Shirt am Morgen noch zu frisch. Bei 11°C starte ich wieder. Das nächste Ziel ist Esquel. Kaum auf der RN40 angekommen, ändert sich die Landschaft und die Straße schlagartig. Ich kann mein Glück gar nicht fassen. So macht Motorrad fahren richtig Spaß. Berge, Bäume, Flüsse, Kurven, dazu wolkenloser Himmel. In Esquel, das durchaus ein netter Ort ist, bekomme ich sogar ein neues Mundstück für mein Trinksystem. Die Fahrt zum Nationalpark Los Alerces ist ein Traum. Die 80km Schotterstraße durch den Park, der wohl einen heftigen Brand hinter sich hat, erinnert durchaus an die auf chilenischer Seite parallel laufende Caretera Austral (wer erkennt das Playboy Häschen?).

NP Los Alerces w/ Playboy Bunny

NP Los Alerces w/ Playboy Bunny

In schöner Abendstimmung entlang an Seen erreiche ich Bariloche. Periko`s Hostel, das sowohl in meinem Reiseführer als auch im Navi genannt wird, ist sehr empfehlenswert und hat noch ein Bett für zwei Nächte ($250 p.N.) für mich frei.

Mi 24.2.2016

Nachdem Flechas Öl gewechselt gehört und auch sonst einige Servicearbeiten durchgeführt werden müssen, werde ich mich heute um einem Termin in der BMW-Werkstatt in Mendoza kümmern. Den restlichen Tag schaue ich mir Bariloche an und genieße einen „Motorrad-freien“ Tag.

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4 thoughts on “Tagebuch auf Deutsch VIII

  1. Du schreibst so einfühlsam. Schön, dass wir so teilhaben können. Meine Frau Maithe überdehnt mit mir das Frühstück, gebannt folgen wir Deiner Bild- und Sprachlyrik. Guanaco…. beinahe…. Meine Reise Eindrücke zeige ich im familiären und Freundeskreis mit immer wieder anderen Schmankerln so gerne,weil die Tiefe der Begegnungen aufleuchten. Der weite Horizont weitet den eigenen Horizont. Vaya con dios. Saludos Bernie vom Barefoot Backpackers Punta Arenas.

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