Februar 2016

Zurück zum Januar

Mo 1.2.2016 Abschied

Den Morgen verbringen wir mit der Suche nach einem passenden Schlauch – ergebnislos! Also versuchen wir es erneut mit einem zu kleinen Schlauch. Und so bekommen wir das Motorrad zumindest mal ans Hostel und ich überlasse die beiden nun ihrem Schicksal, da ich nichts weiter tun kann und die beiden sowieso eine mehrtägige Wanderung durch den Nationalpark Torres del Paine (Plan) planen. Zu diesem mache ich mich nun auf, kaufe noch ausreichend Proviant ein und fahre teils auf Asphalt teils auf Schotter eine wunderschöne, abwechslungsreiche Straße direkt zum südlichen Eingang. Ich bezahle den Eintritt von $18.000 (~ € 25,-) und suche den Campingplatz in der Mitte des Parks, der mir für die nächsten Tage als Ausgangspunkt dient und wie sich herausstellt bestens dafür geeignet ist. Ich bin gerade fertig mit meinem Aufbau, da gesellt sich „Polo“ (von Leopold), ein Madrilene mit einer Triumph Tiger neben mich. Wir unterhalten uns prächtig, leider fährt er morgen schon weiter, da für die nächsten Tage Regen vorhergesagt ist. Mal sehen, wie ich mich weiter entscheide.

Di 2.2.2016 Gletscher Grey

Entgegen aller Vorhersagen scheint es auch heute das Wetter gut mit mir. Ich fahre die knapp 30km zur Gray Ranger Station, muss jedoch erfahren, dass der Weg, den ich laufen wollte, nur mit einem Führer gelaufen werden darf. Als ich sehe, dass ich mich mit der Zeit auch vertan habe und man nicht 3,5h sondern 7h benötigt – einfach wohlbemerkt – kann ich darüber schon wieder schmunzeln. Im nahegelegenen Hotel ergattere ich den letzten Platz auf dem 15 Uhr Schiff zum Gletscher. In der Zwischenzeit laufe ich den Ferrier-Trail, zu dem man sich beim Ranger anmelden muss und wenn man zurück ist auch wieder abmelden. Durchaus sinnvoll, wenn man sieht, wie steil es bergauf geht. Von dort hat man schon einen tollen Blick zum Gletscher und den Park. Und rechtzeitig um 15 Uhr bin ich am Boot zum Gletscher. Ich genieße die 3-stündige Fahrt mit zum Teil unbeschreiblich schöner Kulisse auf schneebedeckte Berge, die sich im Wasser spiegeln und dann dem Gletscher Grey, der inzwischen dreigeteilt ist, da er pro Jahr um ca. 100m schrumpft und unsere Urenkel ihn wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen werden. Hier wird mit Pisco Sour angestoßen. Ob sich die $60.000 für diesen Ausflug lohnen, muss jeder selbst entscheiden.
Zurück am Campingplatz muss ich die Birne meines vorderen Abblendlichts wechseln, die den Erschütterungen nicht mehr standgehalten hat. Der Bügel zum Fixieren der Birne treibt mich zum Wahnsinn. Nach einer halben Stunde habe es endlich geschafft. Auch bekommt Flecha gleich noch etwas Öl. Und ich etwas zu Essen. Der Abend wird nur dadurch gestört, dass meine lieben chilenischen Nachbarn meinten, sie müssten ihre elektronischen Spielzeuge unbedingt aufladen. Eigentlich kein Problem, aber muss das bei laufendem Motor sein?

Mi 3.2.2016 Mit dem Katamaran zum Glacier Francés

Gegen halb sieben weckt mich ein leichtes Tröpfeln auf mein Zelt. Es nieselt tatsächlich. Und da ich nicht mehr einschlafen kann, schiebe ich meinen Tisch vom Campingplatz unter die Überdachung und frühstücke erst mal gemütlich. Und siehe da, die ersten Sonnenstrahlen lassen kaum auf sich warten. Ich richte mir eine Brotzeit her und fahre mit dem Katamaran in 30 Minuten zur Paine Grande Station. Ein Regenbogen begleitet uns. Wolken und Sonne wechseln sich ab, und so macht es richtig Spaß, diesen abwechslungsreichen Trail über das Campamento Italiano zum glacier francés zu gehen. Vogelwilde Brücken, die keinesfalls bei uns das TÜV-Siegel bekommen würden, lassen mich immer wieder staunen, ebenso wie die Naturgewalten. Der Gletscher selber ist inzwischen recht enttäuschend, einzig das Donnern und Grollen von Lawinenabgängen ist immer wieder furchteinflößend. Der Rückweg bietet vollkommen andere Aussichten, die ich zuvor nicht so wahrgenommen habe. Leider ist die Zeit der Calafate schon fast vorbei, sodass nur ein schrumpeliges Exemplar für michbleibt. Dafür schmecken die kleinen Manzanitas tatsächlich wie kleine Äpfelchen. Den Namen der „Streichholzblume“ habe ich noch nicht herausgefunden. Auf dem Rückweg kommen mir tatsächlich schon Alex und Isi entgegen, die bereits den ersten „Finger“ des „W“-Trails hinter sich haben und die kommende Nacht im Campamento Italiano verbringen werden. Inzwischen ist der aufkommende Regen heftiger geworden und ich ziehe meine Regenhose und –jacke an. Bis ich am Katamaran angekommen bin, hat jedoch der Wind schon wieder alles trocken geblasen. Und anscheinend ist aufgrund des Andrangs eine Sonderfahrt anberaumt, denn ich kann bereits um 17 Uhr wieder zurück und muss nicht 90 Minuten warten. Wieder am Zelt koche ich mir einen schönen Eintopf. Wie davon allerdings zwei Personen satt werden sollen, wie auf der Packung geschrieben steht, ist mir ein Rätsel.

Do 4.2.2016 Base de Las Torres

Es ist noch dunkel, da streift mein Gesicht eine ungewöhnlich kühle Brise und weckt mich. Ich mummel mich tiefer in meinen Schlafsack, wache erneut gegen viertel vor sieben auf. Es fröstelt mich immer noch, aber ein Blick aus dem Zelt verrät mir warum. Strahlend blauer Himmel und leichter Wind sind Schuld daran. Die Berge sind zum Greifen nah. Aus meinem Ruhetag wird wohl heute nichts. Ich hänge noch eine Nacht auf dem Campingplatz dran, anstatt eine Hostería zu suchen, packe meinen restlichen Proviant ein und mache mich auf den Weg zum 35km entfernten Hostería Las Torres. Um 10 Uhr starte ich mit weiteren gefühlten 1000 den dritten „Finger“ des „W“-Trails am Río Ascencio entlang zum Aussichtspunkt Base Las Torres. Schon bis zum Campamento Chileno geht es rauf und runter, erfordert meine volle Konzentration und bereits hier Zähne zusammenbeißen, da das Knie schmerzt. Nach 1¾ Stunden erreiche ich das erste Etappenziel. Von frischen Empanadas gestärkt geht es über verschlungene Pfade zum Campamento Torres. Von hier aus sollen es 45 Minuten für den restlichen Kilometer sein. Ich brauche exakt eine Stunde und bin froh, dass ich über dieses Geröllfeld überhaupt heil hinüber gekommen bin. Belohnt wird man dann endlich mit dem Blick auf die Torres, die man zuvor tatsächlich nicht sehen kann. Ich bin stolz und erschöpft, genieße den Anblick, die Sonne und meine Brotzeit… und schlafe ein. Nach einer ¾ Stunde mache ich mich an den Abstieg. Der Vorteil ist, dass man weiß, was kommt. Der Nachteil ist, dass man weiß, was kommt. Denn es bleibt anstrengend. Der Blick in die andere Richtung versöhnt jedoch und um 18.30 bin ich zurück. Spaßeshalber frage ich im Hotel Las Torres, was ein Zimmer kostet: US$ 345,-; aber sie sind ausgebucht. Und das bei 90 Zimmern. Schon verrückt! Auf die Frage, ob es auch für Besucher die Möglichkeit gibt, den SPA-Bereich zu nutzen, bekomme ich als Antwort: Selbstverständlich. Und so bekomme ich für $7.000 (€ 10,-) 30 Minuten Sauna, eine heiße Dusche, Shampoo, Handtuch, Bademantel und Schlappen. Und da sonst keiner das Angebot einer Massage annimmt, gönne ich mir noch 60 Minuten Kneten. Eine der besten Massagen, die ich je bekam. Der Zufall will es, dass die Masseurin die Freundin des Hostel- und Campingplatzbesitzers Walter in Chaltén ist, bei dem ich übernachtet hatte. Auf der Rückfahrt fahre ich dem Sonnenuntergang entgegen, der kitschiger nicht sein könnte. Als ich gegen 22 Uhr am Zelt eintreffe, habe ich Nachbarn aus Berlin. Wiegbert meinte, dass ein Gürteltier meine Abwesenheit nutze und sich in meinem Zelt zu schaffen machte. Tatsächlich ist alles ein wenig durchwühlt. Nicht weiter schlimm, aber dass es meine Haferflocken schmecken ließ geht dann doch zu weit. Wenigstens hat es einen Anstandsrest für mich zum Frühstück übrig gelassen. Bei einem großen Topf Nudeln mit Gemüse und Arrabiatasoße lasse ich diesen wunderschönen Tag ausklingen.

Fr 5.2.2016 Auf nach Punta Arenas

Meine müden Knochen und die anhaltende Kälte lassen mich bis um 9 Uhr im Schlafsack verweilen, bevor ich mein Frühstück in der wärmenden Sonne esse und dann aufbreche in Richtung Punta Arenas. Bei einem Zwischenstopp in Puerto Natales esse ich nochmal die leckeren Fajitas, hole Geld, tanke und kaufe mir eine neue Ersatzbirne (nur € 7,-) und Sekundenkleber, da sich die Sohle meines Wanderschuhs ablöst. Die weitere Fahrt ist nicht spektakulär. Ein Fuchs kreuzt die Straße, ansonsten Steppe soweit das Auge reicht. Um 19 Uhr erreiche Pto Arenas und gebe erfolglos die Suche nach dem im Internet angepriesenen Reifenhändler für heute auf. Auch die Suche nach einer Herberge erweist sich als schwierig. Bei Barefoot Backpackers werde ich fündig und bekomme ein Bett für $10.000. Wenn schon am Meer, dann wird Fisch gegessen. Ein nettes Bistro hat leckeren Lachs.

Sa 6.2.2016 Das Suchen nimmt kein Ende

Die Stadt ist erstaunlich groß. Umso überraschender ist es, dass es keinen einzigen Laden gibt, bei dem ich einen neuen Reifen kaufen kann. Nach langem Suchen, Fragen und Weiterfahren lande ich in einer kleinen Seitenstraße. Und er hat sogar den Heidenau für meine Flecha, wenngleich für stolze $154.000 (€ 210,-) – für das Hinterrad. Ich beschließe, noch die Fahrt nach Ushuaia mit dem Reifen, der jetzt drauf ist, zu machen und auf der Rückfahrt in einer Woche, dann zu wechseln. Der Vorderreifen hält laut seiner Aussage doppelt so lange wie der hintere. Nachdem das endlich geklärt ist, suche ich ein Ticketbüro und ergattere den letzten Platz für morgen Abend zu den Pinguinen auf der Isla Magdalena. Ich beschließe, den Besuch des empfehlenswerten Heimatmuseums auf morgen zu verschieben, meine frisch gewaschene Kleidung abzuholen, und dann etwas zu essen und am Blog zu arbeiten. Ich hatte gestern ein nettes Café gesehen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich dieses in dem Wirrwarr an Einbahnstraßen im Schachbrettmuster wiederfinde.

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6. Teil

So 7.2.2016 Punta Arenas

Endlich kann ich richtig ausschlafen und frühstücke erst gegen 10 Uhr. Dann mache ich mich auf zum Museo Regional de Magallanes (Eintritt frei). Das Haus ist Anfang des 20.Jh. erbaut worden und nahezu vollständig so belassen wie es von der Familie Menéndez bewohnt wurde. Zusätzlich ist noch in drei Räumen die Geschichte über die Entdeckung des Südens ausgestellt. Beeindruckend ist, wie fortschrittlich die Technik bereits in dieser Zeit war (Zentralheizung, Frischwasseraufbereitung). Ich laufe noch etwas durch die Stadt. Um halb drei treffe ich mich mit den Chilenen im Hostel und wir gehen zum „Muestra y Fiesta Costumbrista de Chiloé y Magallanes“. Neben typischer Musik und Tanz lerne ich auch die dort heimische Küche kennen: Milcao (Fleisch in fettigen Teigtaschen ähnlich Empanadas), Curanto (ein Netz gefüllt mit Muscheln, ein Stück Rindfleisch, Kartoffeln und gekochtem Teig wird zusammen mit einer Brühe serviert) und Candola, der einheimische Glühwein, der bei diesen Temperaturen durchaus seine Berechtigung hat. Wir kommen auf den Pinguinausflug zu sprechen, und als ich Constancia meinen Voucher zeige, stellt sie fest, dass ich mich bereits am Morgen um 6.45 Uhr im Büro hätte einfinden müssen und nicht um 18.45 Uhr. Sofort nimmt sie ihr Handy und ruft die Agentur an, mit der Bitte, meinen Namen auf die Tour für morgen zu setzen. Das sei kein Problem, und mein Geld ist nicht verloren. Bin gespannt, ob das klappt. Zurück zum Zentrum fahren wir mit einem Auto der Colectivo. Das sind Autos ganz in schwarz, die ähnlich einem Bus einer bestimmten Route folgen, eine Nummer auf dem Dach tragen und entsprechend günstig sind ($500,- für eine Fahrt). Taxis sind zwar auch schwarz, haben jedoch immer ein gelbes Dach mit einem Taxi-Schild. Da ich morgen früh aufstehen muss, gehe ich heute auch zeitig ins Bett.

Mo 8.2.2016 Los Pingüines

Noch bevor der Wecker klingelt bin ich wach und schleiche mich leise aus dem Zimmer. Pünktlich um 6.45 Uhr bin ich in der Oficina und tatsächlich ist mein Name auf der Liste handschriftlich hinzugefügt worden. Toll, dass das geklappt hat! Das hat auch noch den Vorteil, dass heute das Wetter wesentlich besser ist als gestern. Das Boot liegt 25km nördlich der Stadt. Zuerst fahren wir in 50 Minuten zur Isla Marta, auf der es von Kormoranen wimmelt. Diese sehen von Weitem aus wie Pinguine, können aber fliegen. Und dann gibt es dort noch um die 1.000 Seelöwen. Diese unterscheiden sich vom Seehund dadurch, dass sie Ohren haben und auf ihren Flossen „laufen“ können. Nach weiteren 15 Minuten kommen wir an der Isla Magdalena an, auf der sich ca. 150.000 süße kleine Magellan Pinguine rumtreiben. Die Kleinen haben zum Teil noch ihren Pelz oder befinden sich gerade in der „Mauser“. Wir dürfen auf einem vorgeschrieben Weg laufen, den sie immer wieder kreuzen, um Futter für ihren Nachwuchs zu holen. Sie lassen sich von uns Menschen nicht beirren. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Möwen mit ihrem Nachwuchs. Ich hätte noch länger hier verbringen können und den putzigen Tieren einfach nur zuschauen können, jedoch treibt uns die Leitung wieder zum Schiff, da es ab 11 Uhr sehr windig wird. Tatsächlich, kaum sind wir wieder an Land, setzt der Wind unbarmherzig ein. Um kurz vor zwölf bin ich im Ticketbüro für die Fähre am nächsten Tag, muss aber leider erfahren, dass es keine Tickets mehr gibt und ich am Morgen gleich um 8 Uhr nochmal fragen soll. Mal sehen, ob ich wieder Glück habe.
Am Nachmittag schaue ich mir das Museo Naval y Marítimo, das sowohl die Entstehungsgeschichte des Südens ausführlich beschreibt, als auch Flora und Fauna mit verschiedenen Exponaten veranschaulicht. Die nebenstehende Kathedrale Santuario Ma Auxiliadora finde ich beeindruckender als die Kirche direkt am Plaza de Armas. Anschließend schaue ich mir noch den durchaus sehenswerten Friedhof gegenüber an. Da der Ansturm auf Ushuaia in den Sommermonaten recht groß sein soll, reserviere ich für Mittwoch drei Nächte in einem Hostel für € 20,- ÜF.

Di 9.2.2016 Tierra del Fuego

Durch zwei schnarchende Bettnachbarn war meine Nacht recht unterbrochen und so stehe ich müde um 7 Uhr auf und bin rechtzeitig um 8 Uhr an der Fähre. Und wer steht auch schon da? Isi. Sind sind auch noch ohne Tickets und so geselle ich mich zu Alex in die Schlange. Nach 15 Minuten konnten wir jeder noch eines ergattern. Wir fahren auf die Fähre und müssen die Mopeds auf den Hauptständer stellen. Ungewöhnlich. Und dann werden sie auch nur mit einem Band gesichert. Ob das wohl gutgeht? Auch treffen wir wieder Heinz und Feli. Obwohl die See recht ruhig aussieht, schwankt das Schiff erstaunlich nach rechts und links. Aber die Bikes bleiben stehen. Im Windschatten auf Deck ist es richtig warm, denn die Sonne zeigt sich wieder. Um 11.30 Uhr legen wir in Porvenir an: wir sind auf Feuerland! Anfangs entlang der Küste geht es in Richtung San Sebastian. Zuvor biegen wir jedoch noch zur Königspinguin Station in Richtung Bahía Inútil ab. Es sind ca. 60 Tiere in einem recht großen Abstand zu sehen. Kein Vergleich mit den Magellanpinguinen von gestern. Trotzdem ein tolles Gefühl, sie in ihrer Umgebung zu sehen. Auch wenn der Eintritt von $ 12.000 (ca. € 16,50) ganz schön happig ist, aber er dient auch zu Forschungszwecken. Auf den letzten Kilometern wurde der Wind so richtig heftig. Entweder habe ich es vorher nicht gemerkt, da er von hinten kam oder er war tatsächlich weniger. Jedenfalls hatten wohl häufiger Autos und LKW ihre Probleme mit dem Wind, denn immer wieder tauchen sie am Straßenrand auf – nicht mehr fahrbereit. Kleine und große Pfützen zeugen von stärkerem Regen in den letzten Tagen. Und so bin ich froh, dass sich heute immer wieder die Sonne zeigt. Der Grenzübergang in San Sebastian ist recht voll, als wir ankommen. Mein Tacho zeigt exakt 28.000km an. Nach ca. 90 Minuten haben wir die Grenze hinter uns. Erneut geht alles reibungslos, nur dass die Grenzer automatisch Feli als Mitfahrer von Heinz wähnten und dann erneut alle Formblätter ausfüllen mussten, als sie erfuhren, dass sie ein eigenes Motorrad hat. Auf den nächsten 100km bis Río Grande hat uns der Wind voll im Griff. Am Ortseingang begrüßt uns ein Schild: „Río Grande: la ciudad de tus sueños“. Nein, diese Stadt wird nie die Stadt meiner Träume. Schon bei der Durchfahrt stelle ich fest, dass die Bürgersteige hochgeklappt zu sein scheinen. Das wird uns bestätigt, als wir jemanden fragen. Heute ist Feiertag in Argentinien und daher ist hier alles seit letztem Freitag wie ausgestorben. Und dann sind wir froh, noch ein geöffnetes Restaurant gefunden zu haben.

Mi 10.2.2016 Fin del Mundo

Erneut strahlt der Himmel blau, der Wind hat sich weitgehend verzogen und die Sonne hat die Luft schnell auf angenehme 17 Grad erwärmt. Während ich noch versuche, bei Felis GS650 eine abgebrochene Schraube herauszudrehen (leider ohne Erfolg) macht sich Alex bereits auf den Weg zu einer Werkstatt (Albatros Servicio), dessen Adresse an der Grenze aushing, um eine abgebrochene Halterung wieder anzuschweißen. Auch ich fahre etwas später hin, um nach einem Reifen und einem Luftfilter zu fragen. Als ich ankomme, treffe ich auch wieder Polo, den ich im Torres del Paine zuletzt traf, und dem auch eine Schraube an seiner Triumpf abgebrochen ist. Alex fährt unverrichteter Dinge weiter, da nur ohne Tank oder mit abgelassenem Benzin geschweißt werden kann. Facu und Alejandro nehmen sich Flecha gleich an und bauen den Luftfilter aus. Der schaut trotz 6.500km zumeist staubiger Piste fast wie neu aus. Er bläst ihn aus und baut ihn wieder ein. Als ich ihn frage, was er für die 20 Minuten haben will, antwortet er: nichts! Ich gebe ihm ein entsprechendes Trinkgeld und bedanke mich. Im Laufe des Tages will er mir noch einen Preis für einen neuen Reifen durchgeben. Wahrscheinlich ist er in Punta Arenas preiswerter. Und außerdem bestätigt er mir, dass ich mit diesem Hinterreifen noch 2-3.000km fahren könne. Ich weiß noch nicht, was ich mache werde. Polo bleibt noch hier bei Freunden. Ich stelle das Navi ein und mache mich auf den Weg. Leider hatte ich „kürzester Weg“ eingegeben und so lande ich nach kurzer Zeit vor einem Gatter und muss umdrehen. Also „schnellster Weg“ eingegeben und los geht’s. Was jetzt kommt, überrascht mich völlig. Kein Wind, Sonne und unheimlich abwechslungsreiche Landschaft mit See, Wäldern und später auch kurvigem Streckenverlauf. Erst 20km vor Ushuaia beginnt es zu tröpfeln. Trotzdem schaut die Sonne immer wieder heraus und so erreiche ich nach 7.000 gefahrene Kilometern das Ende der Welt bei etwas Sonnenschein.

Thomas al fin del mundo

Thomas al fin del mundo

Die Queen Mary 2 liegt vor Anker und es ist verblüffend, wie sich Tausende von Passagieren mittels kleinen Booten hin- und herfahren lassen und dafür auch noch ewig anstehen müssen. Ich fahre zu meinem Hostel Los Cormoranes und als ich ankomme sind hier bereits: Alex und Isi.
Den Nachmittag verbringe ich mit einem kleinen Rundgang durch die Stadt und dem Besuch des ehemaligen Gefängnisses, das heute auch Museum für Maritimes und Kunst ist. Es lohnt sich – auch wenn ich irgendwann von den vielen Informationen erschlagen bin. (Eintritt $200,-; ca. € 13,-). Anschließend führt mich der Hunger in eine kleine Bodega. Und wer sitzt bereits da, als ich ankomme: Alex und Isi! Irgendwie haben wir eben doch einen ähnlichen Geschmack.

Do 11.2.2016 Nationalpark Tierra del Fuego

Als ich in dem kleinen, stickigen 8-Bett-Zimmer aufwache, regnet es unermüdlich und es hat frostige 8 Grad. Nicht wirklich motivierend, um aus dem Bett zu steigen. Erst einmal frühstücken. Der Regen wird weniger und ich beschließe: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Ich ziehe also meine Regenhose und –jacke an und fahre in Richtung Nationalpark. Eine Umleitung führt mich über schlammige Seitenstraßen eines Neubaugebietes, das auch mein Navi nicht kennt. Und als ich am Eingang des Parks ankomme, regnet es wieder richtig heftig, sodass ich mir überlege, ob sich die $170,- (€ 12,-) Eintritt lohnen. Ich schiebe meine Entscheidung raus und fahre zurück zur südlichsten Eisenbahnstrecke der Welt. Eine 2-stündige Fahrt kostet tatsächlich $530,- (+Eintritt zum Nationalpark) und so trinke ich einen Kaffee und esse ein Empanada. Der Regen lässt langsam nach und ich fahre nun doch in den Park. Bis ans offizielle Ende der Welt (End der RN3).

The end of the world

The end of the world

Weiter geht es auf dem Landweg nicht. Und nach einem Kilometer auch nicht mehr zu Fuß. Jetzt kommt sogar die Sonne wieder raus. Und gleich wird es angenehm warme 12 Grad. Die Wasserfälle des Río Pipo sind zwar etwas ernüchternd, aber ich genieße die Ruhe und Einsamkeit hier, denn es treibt heute kaum jemanden hierher.
Da die Stadt sonst nicht mehr viel zu bieten hat, ich Pinguine und Seelöwen auch schon gesehen habe und mich der Gletscher Martial nicht mehr sonderlich reizt, frage ich nach, ob ich die bereits bezahlte dritte Nacht stornieren kann. “Ja, das geht“, bekomme ich als Antwort, und das, obwohl ich mit Kreditkarte gezahlt hatte. Ich bin immer wieder überrascht. Und so fahre ich morgen wieder in Richtung Norden.

Fr 12.2.2016 Ab jetzt nach Norden

Am Morgen sind es nur 8 Grad, aber die Sonne kämpft sich mehr und mehr durch die Wolken. Und so macht die Fahrt zurück nach Río Grande richtig Spaß. Je weiter ich komme, desto wärmer wird es und als ich bei Facu und Alejandro (Albatros Servicio, Cristóbal Colón 1174, Río Grande, Tierra del Fuego) ankomme, hat es 15 Grad und Sonnenschein. Wir essen gemeinsam – wie versprochen – zu Mittag und plaudern ein wenig. Inzwischen gewöhne ich mich an das Argentinisch, jedoch fällt es mir immer noch schwer, alles so schnell zu verstehen. Den restlichen Tag verbringe ich mit Lesen und der Pflege der Webseite im selben Hostel Agentino (s.link), in dem wir vor 3 Tagen waren. Aber ich gönne mir ein Einzelzimmer.

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7. Teil

Sa 13.2.2016 Grenzerfahrung

Der Wecker steht auf viertel vor acht, jedoch wache ich kurz zuvor bereits von selbst auf. Das Gepäck wird verstaut und das letzte Ei gebraten, da ich es nicht nach Chile mitnehmen darf. Ich verabschiede mich und mache mich auf den Weg. Die Sonne scheint, es sind lausige 8°C und Richtung San Sebastian kommt noch der bekannte Wind hinzu. Um 10 Uhr komme ich an der argentinischen Grenze an und um halb elf bin ich wieder in Chile. Das ging ja problemlos und sogar ohne Kofferkontrolle. Nur mein Navi meint auf einmal, dass es eine Pause braucht und bootet ständig von Neuem. Hmm, ich werde ihm etwas Zeit geben. Den Weg kenne ich ja und ich kann mir nun etwas Zeit lassen, um die Fähre in Porvenir um 14 Uhr pünktlich zu erreichen. Der Wind kommt weitgehend von vorne, was das Fahren angenehm macht. Auf Raten von Alex und Heinz biege ich 60km vor Porvenir nach rechts auf eine Straße ab, die nur im Sommer geöffnet ist. Sie ist unglaublich schön und einspurig. Es geht den Berg hinauf und viele Kurven erhöhen den Fahrspaß. Allerdings erkaufe ich mir diesen mit sehr frischen 4,5°C. Es wird Zeit, dass ich in wärmere Gefilde komme, wobei ich noch nicht weiß, ob mir die in Buenos Aires herrschenden 40°C mir tatsächlich lieber sind. Um kurz nach eins erreiche ich den Hafen und kann kurze Zeit später schon auf das Schiff. Ich schraube mein Navi auf, nehme die SD-Card heraus, boote erneut und … siehe da: es geht wieder. Jetzt wieder die SD-Card eingebaut und auch die erkennt er wieder. Na bitte, geht doch.
Früher als erwartet legt die Fähre in Punta Arenas an und um 16.15 Uhr bin ich wieder an Land. Ich fahre sofort zu Alejandros Werkstatt. Er meint, wenn ich ihm das Motorrad da ließe, könne ich es um 18 Uhr wieder abholen, denn es müsse ja erst vollständig gereinigt werden, bevor es seine heiligen Hallen befahren darf. Also frage ich ihn, ob ich ihm das ausgebaute Hinterrad geben darf. Gesagt, getan. Er nimmt sich diesem an und wäscht dieses so gründlich, dass man es als neu verkaufen könnte. Nach 20 Minuten ist alles fertig – nur akzeptiert er keine Kreditkarte. Meinen Pass als Pfand hinterlegt fahre ich zur nächsten Shell-Tankstelle mit ATM und bekomme dort überraschenderweise sofort Bargeld. $154.000 für den Reifen und $30.000 für seine Dienste. Ein ganz schön teurer Spaß, jedoch ein gutes Gefühl, für die nächsten langen Strecken nun gewappnet zu sein. Jetzt tanken und im Supermarkt noch etwas Obst, Gemüse, Joghurt, Kekse und Wein einkaufen, dann kann es Richtung Río Gallegos (Argentinien) weitergehen. Zuerst nach Norden, wo dicke Regenwolken auf mich warten biege ich rechtzeitig nach Osten ab und fahre entlang der Wolkengrenze. Wenn auch die Straße sonst recht langweilig ist und die Temperatur von 8°C mich doch frösteln lässt, so ist das Farbenspiel spannend. Ich stelle den Tempomat auf 120km/h und erreiche die chilenische Seite um 20Uhr. Anders als sonst ist dort aber gar nicht die Ausreise aus Chile, sondern gemeinsam mit der argentinischen Einreise auf dessen Seite nur 600m weiter. Dort steht eine lange Schlange und als ich nach vorne fahre, winkt mich ein netter Beamter zu sich und meint, ich könne direkt am „Pare“-Schild dort vorne neben der Schranke parken. Sehr nett. Ich stelle Flecha ab und stehe vor einem großen Schild, das besagt, dass die Einfuhr von Milchprodukten nach Argentinien nicht gestattet ist. So ein Mist. Ich hatte davon zwar etwas gehört, war aber bisher zweimal weder darauf hingewiesen worden, noch hatte ich jemals so ein Schild gesehen. Und nebenan kontrollieren die netten Beamten jedes Auto gründlichst. Ich überlege mal, was ich mache. Der 1. Schalter ist meine Ausreise aus Chile, der 2. Schalter meine Einreise nach Argentinien. Soweit so gut. Es fehlen noch 2 Stempel auf meinem Laufzettel. Und die Schlangen an 3 und 4 sind lang. Nun sehe ich auch, dass weder Früchte, Gemüse, Samen etc. erlaubt sind… Als ich gerade neben einem Schalter 3 stehe, wird dieser geöffnet und nun ist auch Flecha wieder aus Chile draußen. Für den Schalter 4 muss ich ein Formblatt ausfüllen, wie ich es bisher nur aus Chile her kannte. Irgendwo steht geschrieben, dass „autorisiert“ eingeführt werden darf. Also kreuze ich an, dass ich Obst und Gemüse mitführe und warte ab, stelle mich innerlich aber darauf ein, dass ich entweder an Ort und Stelle essen muss, was ich kann und den Rest eben hier lasse. Nebenbei muss ich auch noch ausfüllen, welches Handymodell ich habe und was ich alles in Chile eingekauft habe und nun gedenke, nach Argentinien einzuführen. Ich kann schon schmunzeln. Am Schalter angekommen bringt der nette Beamte sofort seine paar Brocken Deutsch bei mir an und stempelt – wohl mehr dem Automatismus folgend – meinen Laufzettel auch im 4. Kästchen ab. Ich frage nicht weiter nach, gehe zurück zum Moped und mache mich fahrbereit. Dann frage ich den sehr mit der Untersuchung eines Autos beschäftigten Herrn, ob ich fahren dürfe. Er bittet mich nur um meinen Laufzettel, dann darf ich fahren! Ich wurde weder rot noch hatte ich Herzklopfen, hatte ich doch alles angegeben. Jetzt habe ich Abendessen und Frühstück. Toll!
Zitternd vor Kälte mache ich mich auf die letzten 70km. Und dann fängt es 20km vor Río Gallegos auch noch leicht zu nieseln an. Hoffentlich wird es nicht mehr. Und dann auch noch das: bei der üblichen Polizeikontrolle werde ich gebeten, zur Seite zu fahren. Haben die jetzt erfahren, dass ich das Kreuzchen bei „Ja“ gemacht habe? Ich gehe in die Station hinein und werde gebeten, ähnlich wie in einem Hostel, meine Passnummer, Adresse, woher ich komme, wohin ich fahre und Staatsangehörigkeit anzugeben. Dann kann ich wieder weiter. Puh. Mein Navi kennt genau ein B&B und ich bin positiv überrascht über Hospedaje Elcira. Sofort bietet mir die Chefin an, Flecha in ihren kleinen Innenhof zu stellen. Die Unterkunft im 4-Bett-Zimmer kostet $180,- (€12,-), ist sauber und die heiße Dusche funktioniert ausgezeichnet. Für mich im Augenblick das Wichtigste. Von einem Gast erfahre ich, dass es 500km weiter nördlich heute 47°C hatte. Ob ich mich darauf freuen soll?

So 14.2.2016 Strecke machen

Mein heutiges Ziel ist der Bosque Petrificado rund 550km nördlich von hier. Sicherheitshalber tanke ich gleich hier nochmal und stelle dabei fest, dass sich Flecha gleich einen Liter mehr genehmigt als sonst (7l anstatt 6l/100km). Zum einen sicherlich wegen der höheren Geschwindigkeit, zum Anderen wegen des Windes. Dieser Umstand senkt meine Reichweite mal eben von rund 550km auf 450km pro Tankfüllung. Am Stadtende ist erneut eine Polizeikontrolle und wieder dürfen die vor mir fahrenden Autos nach einem kurzen Blick weiterfahren, während der junge, grimmig schauende Polizist (ich glaube, die müssen so böse schauen) meinen Pass sehen will. Er schaut sich die Seite mit meinem Foto sowie die Rückseite bestimmt 20 Sekunden an – keine Ahnung, was er sich da alles ansieht -, um sich dann für weitere 30 Sekunden alle meine Stempel intensiv zu Gemüte zu führen. Er kann nichts Auffälliges finden und fragt mich zum Abschluss: „Ingles?“. Ich kann mir ein Lachen nur schwer verkneifen und antworte völlig sachlich: „no, Alemán“. Ein „Aaaah“ gepaart mit einem leichten Wink lässt mich weiterfahren. Die restliche Fahrt ist wie erwartet recht eintönig und langweilig. Ab und zu treffe ich auf Guanacos, die mich immer wieder neugierig und verdutzt anschauen, um dann im letzten Augenblick davon zu springen. Glücklicherweise bis jetzt immer in die richtige Richtung. Nach 200km mache ich eine Pause in Comandante Luis Piedrabuena, wo Papst Franziskus sogar ein Denkmal gesetzt wurde. Nach den Wolken und kühlen 11°C am Morgen sind es inzwischen Sonne und 16°C. Mit einem Steak gestärkt nehme ich die nächsten Kilometer in Angriff. Die Fahrt ist ermüdend. Als ich eine Tankstelle sehe, denke ich mir, dass ich es bis Trés Cerros noch schaffen werde. Nach 5km merke ich, dass diese Tankstelle bereits Trés Cerros war. Also drehe ich um, tanke (das erste Mal, dass ich bar bezahlen muss, da keine Kreditkarten genommen werden) und trinke einen Kaffee. Die letzten 80km schaffe ich jetzt auch noch. Leichter gesagt als getan, denn die letzten 30km zum Campingplatz La Paloma sind Schotter. Den Luftdruck gesenkt, steigt mein Blutdruck mit jedem Meter. Es sind verdammt viele grobe Steine, die das Vorderrad immer wieder wegdriften lassen. Größte Konzentration ist gefordert und Spaß macht das keine. Endlich erreiche ich den Platz. Der Wind kommt von Norden, also baue ich mein Segel (Zelt) windgeschützt hinter einem Baum auf und lege mich bald schlafen.

Mo 15.2.2016 Bosque Petrificado

Um 4 Uhr werde ich vom heftigen Wind und Flattern des Zeltes geweckt und erst um 6 Uhr lässt er soweit nach, sodass ich nochmal für zwei Stunden schlafen kann. Dafür sind es jetzt Orkanböen, die sogar einen Hering gelöst haben und das Zelt mächtig in die Knie zwingen, denn inzwischen kommt der Wind aus Westen und somit in voller Breitseite auf mein Zelt. Irgendwie gelingt es mir, alles einzupacken und mich zum Steinernen Wald (Bosque Petrificado) aufzumachen.

Bosque Petrificado

Bosque Petrificado

Es ist beeindruckend, was die Natur in 150 Mio. Jahren hier geschaffen hat. Als Südamerika und Afrika noch zusammenhingen, gab es einen Vulkanausbruch, der die etwa 1000 Jahre alten Bäume gefällt und unter seiner Asche begraben hat. Da es die Anden noch nicht gab, hat das subtropische Klima immer wieder Feuchtigkeit vom Pazifik her geliefert und den Wald erneut entstehen lassen. Aus Silifizierung (Verkiesselung) wurde Petrifikation (Versteinerung). Da sich dieser Vorgang wiederholte, gibt es verschiedene Baumschichten, anhand derer man das Alter ablesen kann. Erst der anhaltende Wind hat diese Schichten freigelegt.
Die Temperatur steigt auf 35°C und die Windgeschwindigkeit beträgt am Gipfel mehr als 100km/h. Und ich habe mein Cappy vergessen!

Bosque Petrificado panorama

Bosque Petrificado panorama

Zurück fahre ich die 50km Schotterstrecke problemlos. Mit Konzentration macht sie richtig Spaß und nach 40 Minuten erreiche ich wieder die langweilige RN3. Caleta Olivia ist eine Stadt, die vom Öl lebt. Sonst gibt es hier ja auch nichts und diese Stadt lädt nicht zu einer Pause ein. Weiter nach Comodore Rivadavia. Hier erreicht Flecha ihre 30.000km Marke. Das Navi kennt einen einzigen Campingplatz. Er ist direkt an einer Abflugschneise und der RN3, aber ist etwas windgeschützt und hat Matten als Windfang. Und da es mir irgendwie nicht so richtig wohl ist und mein Magen grummelt, entscheide ich mich dazu, hier die Nacht zu verbringen. Gegenüber ist praktischerweise ein kleiner Supermarkt, in dem ich das Nötigste für mein Abendessen bekomme. Außer mir ist noch den Neuseeländer Steve auf dem Platz. Er ist in 18 Monaten mit seiner Triumph 93.000 km rund um die Welt gefahren und musste hier nun für 11 Tage ausharren, da erst Feiertag war und dann nicht die passenden Teile vorfügbar. Vom Sohn der Platzchefin werde ich gebeten, zu bezahlen. Dieser Bitte komme ich sofort nach und gehe ins Haus dieser verbitterten Dame um die vierzig. Als ich nicht sofort gehe, nachdem ich ihr die $100 übergebe, fragte sie mich: „Was ist?“. „Normalerweise bekomme ich eine Quittung“. „Wem wolle ich die denn zeigen“, antwortet sie entrüstet und genervt. Ich antworte: „Der Finanzpolizei“, wobei ehrlich gesagt auch ich mir diese Frage schon häufiger gestellt habe, aber wenn ich schon für einen Schokoriegel für $10 eine Quittung bekomme, dann möchte ich die auch hier, zumal ich gerne einen Nachweis hätte, dass ich diese Nacht bezahlt habe. Als ich Steve davon erzähle meint dieser, dass er von dieser netten Dame mit einer Pistole bedroht wurde, damit er bezahlt. Man muss vorweg sagen, dass ihr Mann ihm aufgrund seiner Motorradpanne angeboten hatte, ein paar Nächte kostenfrei hier übernachten zu dürfen. Er hat die Rechnung ohne seine Frau gemacht, die das Geld auch mit Gewalt eintreibt. Mir geht jetzt nur durch den Kopf, dass ich hier keine Nacht länger bleibe, egal wie schlecht es mir morgen geht. Nun liege ich im Zelt und weiß nicht, wie ich schlafen soll. Bis nun doch alles raus muss. Jetzt geht es mir zwar besser, trotzdem wache ich immer wieder auf, mein Kreuz tut weh und ich weiß nicht, wie ich liegen soll.

Di 16.2.2016 Erholung

Mit wenig Hunger zwinge ich mich wenigstens, einen Joghurt mit Apfel zu essen und mache mich anschließend ans Packen. Es dauert alles ewig heute Morgen. Ich fühle mich einfach schlapp, bin aber froh, hier weg zu sein. Mich würde nur interessieren, was der Auslöser war. Ein Sonnenstich, das zu warme Sprudelwasser, das Sandwich oder… Die nächsten Kilometer sind extrem anstrengend, da der Wind unbarmherzig mich von der Fahrbahn schieben will und ich mir einbildete, dass es viel wärmer sei (es sind nur 22°C) und ich deshalb die Innenfutter aus Jacke und Hose herausnahm. Endlich ist der Abzweig in Richtung Küste nach Camarones da. Ich erwarte eine Schotterstraße und bin ganz überrascht, eine gute Teerstraße vorzufinden. Der Ort ist jedoch so verschlafen, dass ich froh bin, ein Hotel zu finden, das sauber und erschwinglich ist. Ich lege mich um drei Uhr hin und schlafe sofort ein. Himmlisch diese Ruhe. Am Abend gibt es trockenen Toast und Kamillentee. Und Ruhe!

Mi 17.2.2016

Am Morgen geht es mir schon wesentlich besser und ich habe sogar Hunger. Die selbstgemachten Croissants schmecken köstlich. Auf einer wunderschönen, nahezu windlosen Schotterstraße fahre ich in Richtung Norden nach Punta Tomba und begegne auf den nächsten 130km einem einzigen Auto, das auch prompt anhält und das ältere Ehepaar mich fragt, woher ich komme und wohin ich will. Nett. Ich genieße das schöne Wetter und die Ruhe. Bis auf einmal ein Herde wildgewordener Schafe meine Fahrbahn kreuzt und mich völlig aus dem Konzept wirft. Ich kann gerade noch abbremsen und ausweichen. Nochmal gut gegangen. Und schon wartet mein nächster Gegner auf mich: der fiese Sand. Plötzlich ist er da. Schlingernd, zitternd und mit Adrenalinschub meistere ich diese Situation ohne Sturz. Enorm, wie wachsam man in jedem Augenblick sein muss. In Punta Tomba zeigt ein schön aufgemachtes Informationspavillon die Entstehungsgeschichte dieser kleinen Halbinsel. Hier wurde das wohl älteste Skelett eines Pinguin entdeckt (10 Mio Jahre). Heute lebt hier die wohl größte Kolonie von Magellan Pinguinen mit rund 210.000 Paaren!

Punta Tombo panorama

Punta Tombo panorama

Der Spaziergang durch den Nationalpark tut gut. Neben Mäusen sind hier bei den Pinguinen sogar Guanacos zu finden. Ein herrliches Areal, das zum Verweilen einlädt.

red rocks Punta Tomba panorama

red rocks Punta Tomba panorama

Die 22km Zufahrt zum Park sind noch Schotter, ab dann geht es über Asphalt nach Trelew (sprich: Trel-e-oO)., das ich jedoch links liegen lasse und gleich weiter nach Puerto Madryn fahre und dort mich in einem sowohl vom Navi als auch vom Reiseführer empfohlenen Hostel einquartiere. Nachdem ich bereits das letzte Hotel nicht mit Karte bezahlen konnte und meine letzte Euro-Reserve verwendet habe, will auch dieses Hostel hier nur Bargeld. Ich klappere alle Automaten ab. Leider ohne Erfolg. Diese blöden neuen Karten mit dem Chip werden von vielen Banken nicht erkannt oder akzeptiert. Für heute gebe ich auf. Als ich im Hostel davon berichte, bekomme ich die Adresse der Santander Bank, mit der ich bisher nie Probleme hatte. Nur komisch, dass ich sie nicht gefunden hatte. Den Abend lasse ich mit einer Partie Billard ausklingen.

Do 18.2.2016 Pausentag

Das Frühstücksbuffet ist reichhaltiger als erwartet. Ich verabschiede mich noch von Fabricio, der tatsächlich mit der Vespa unterwegs ist. Anschließend mache ich mich sofort zur Bank auf. Tatsächlich spuckt der Automat meinen täglichen Verfügungsrahmen von $2.000 aus. Jetzt bin ich schon etwas erleichtert, bezahle gleich eine weitere Nacht und lege einen Tag Pause ein. Ich wasche ein paar Sachen und pflege die Website. Erst am Nachmittag stelle ich fest, dass es tatsächlich regnet. Leider wird meine Wäsche, die unter eine Treppe hängt, trotzdem nass und muss wohl noch eine Zeitlang dort verweilen.

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8. Teil

Fr 19.2.2016 Punta Ninfas and Punta Lomo

Die Sonne strahlt wieder und ich entschließe mich, noch einen Tag hier im Hostel zu bleiben und einen Tagesausflug nach Punta Ninfas zu machen. Leider entpuppt sich die Fahrt dorthin als extrem eintönig, da es 70km nur geradeaus geht. Außer ein paar die Fahrbahn kreuzenden Schafen und Pferden, die zugegeben wunderschön sind, passiert nichts Aufregendes. Am Ende werde ich jedoch mit einem tiefblauen Meer und absoluter Einsamkeit belohnt.

Pta Ninfas panorama

Pta Ninfas panorama

Das Gelände eignet sich sogar für einen Enduropark 🙂 Erst jetzt bemerke ich, dass ich meinen Wasserbeutel verloren habe, der auf dem linken Koffer befestigt war. Also Augen auf bei der Rückfahrt. Und da liegt er tatsächlich – und keines der drei Autos ist drüber gefahren. Glück gehabt, auch wenn ich dessen Verlust hätte verschmerzen können. Erstaunlich, dass ich bis heute gerade einmal ein Küchenhandtuch und den Arm zum Verstellen meines Stativs verloren habe, das ohne diesen sinnlos ist und ich daher weggeschmissen habe. Die Rückfahrt ist entsprechend langweilig und so versuche ich mein Glück am Punta Lomo. Zunächst noch schöne Kurven auf Asphalt geht es nach 7km in anspruchsvollen Schotter über. Die Strände hier laden nicht zum Verweilen ein, da zum Einen überall Glasscherben liegen und zum Anderen viel Seetang. Am Punta Lomo gibt es für $100,- (€6,50) Eintritt eine Plattform, von der aus man die kleine Bucht mit Seelöwen und Kormoranen sehen kann. Etwas ernüchternd. Dazu noch einen 300m langen Lehrpfad über die einheimische Flora mit sechs Tafeln. Naja, irgendwie hatte ich mir das spektakulärer vorgestellt. Dafür gönne ich mir jetzt ein ausgezeichnetes selbstgemachtes Eis und am Abend am Strand einen Seehecht und abschließend einen hervorragenden Pisco Sour.

Sa 20.2.2.2016 Península Valdés

Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um 32°C fahre ich – vorbei am Kriegerdenkmal für die Falklandsoldaten – auf der anspruchsvollen Küstenstraße in Richtung Península Valdés Der Eintritt in den Park kostet $260 (€16,-) und ein Informationscenter gibt einen guten Überblick über die Insel und ihre Entstehung. Nachdem ich endlich auf dem extrem vollen Campingplatz eine geeignete Stelle für mein Zelt gefunden habe, verbringe ich den Rest des Tages mit Baden, Lesen und Faulenzen am gut gefüllten Strand. Auch die Einheimischen verbringen hier ihr Wochenende.

So 21.2.2016 Inselrundfahrt

Als ich aufstehe kommt gerade die Sonne heraus. Es ist 6 Uhr und ich mache mich zeitig auf den Weg nach Punta Cantor, da dort heute um 8 Uhr der Höchststand der Flut ist. Natürlich bin ich der erste und werde freudig von einen kleinen schwarzen Katze begrüßt. Ich bekomme Seelöwen und Pinguine zu sehen, jedoch keine Wale geschweige denn Orcas, dafür aber verschiedene Vögel und eine Eidechse.

Weiter zum Punta Norte, wo der Höchststand um 10 Uhr ist. Auch diese Straße ist mit denen im Landesinneren durchaus vergleichbar: flache Steppe und immer geradeaus. Ab und zu mal eine Biegung und ein kleiner Hügel, der großartig mit extremem Gefälle oder Steigung durch Schilder angekündigt wird. Das war’s. Auch die Tiere sind die gleichen: Schafe, Pferde, Ñandus, Guanacos und ab und zu ein Fuchs. Und während ich so dahinfahre, fährt mir auf einmal der Schreck in die Glieder. Aus einem Gebüsch kommt unvermittelt ein Guanaco direkt auf die Fahrbahn und erschrickt wahrscheinlich ähnlich. Keine 50cm von meinem rechten Bein entfernt kann es seine Hufe in den Kiesel hauen und rennt nun parallel zu mir um die Wette. Das ist gerade nochmal gut gegangen. Trotzdem spüre ich meinen Herzschlag am Hals und bin froh, dass uns beiden nichts passiert ist. Um halb elf komme ich an und treffe dort Anita und Andrew aus Australien wieder, die ich zuvor im Bosque Petrificado kennen gelernt hatte. Sie kommen mir bereits entgegen und meinen, dass es seit zehn, elf Tagen keine Orcas mehr hier zu sehen gab. Dafür ist heute ein See-Elefant am Strand, der sich auch nicht oft blicken lässt. Er schaut zwischen den vielen Seelöwen wie ein Felsen aus.

pta Norte Penisula Valdes panorama

pta Norte Penisula Valdes panorama

Den Jungen könnte ich stundenlang beim Spielen zuschauen. So süß und tollpatschig. Außerdem sind zahlreiche Gürteltiere hier zu sehen. Eines zeigt sich sogar rücklings. Der Rückweg nach Punta Pirámides ist noch langweiliger.

Pta Pirámides

Pta Pirámides

Auch hier liegen Seelöwen und baden in einer Pfütze, die sich erwärmt, bis die nächste Flut kommt. Den Rest des Tages verbringe ich nochmal am Strand und ich bin froh, dass es auf dem Platz zunehmend leerer und ruhiger wird.

Mo 22.2.2016 Von Ost nach West (10.000km geknackt)

Es gibt keinen Ort, an dem sich der Sand nicht breit gemacht hat. So dauert das Packen etwas länger als sonst. Um elf Uhr bei erneut 32°C mache ich mich auf, hole noch Geld in Puerto Madryn und fahre nach Trelew. Dort steht die älteste walisische Kirche Capilla Moriah, die leider verschlossen ist. Die Weiterfahrt beginnt verheißungsvoll mit ein paar Kurven, doch bis Las Plumas kommen keine zwanzig hinzu, die diese Bezeichnung verdienen, das heißt mehr als 3° Schräglage erfordern. Kurz vor Las Plumas ändert sich das Bild schlagartig und ich bin schon ganz neugierig. Also Tanken, Vorräte auffüllen und weiter geht’s. Nichts war es mit Kurven. Nur die Landschaft wechselt ab und wird facettenreicher. Pferde schauen neugierig und mein Tacho zeigt 31.500km. Somit bin ich seit Valparaíso inzwischen 10.000km gefahren. Vorbei am Paso de Indios, der mit etwas über 400m nicht erwähnenswert ist, denn anschließend geht es weiter hoch in die Berge. Ich sehe einen Kleinlaster von einem Hof kommen und warte, bis er die Hauptstraße erreicht, um ihn zu fragen, ob ich beim ihm mein Zelt aufstellen darf. Natürlich darf ich. Der Wind wird stärker, und ich bin froh, etwas Schutz zu finden. Gleich werde ich von einem roten Kater in Empfang genommen, mit dem ich mein Abendesse teile. Ich genieße den Sonnenuntergang, der wesentlich früher ist, je weiter ich in den Norden fahre. Die Tage sind inzwischen drei Stunden kürzer als in Ushuaia.

sunset wild camping near RN25

sunset wild camping near RN25

Di 23.2.2016

Die Nacht war mit richtig kalt und selbst in der Sonne ist es im T-Shirt am Morgen noch zu frisch. Bei 11°C starte ich wieder. Das nächste Ziel ist Esquel. Kaum auf der RN40 angekommen, ändert sich die Landschaft und die Straße schlagartig. Ich kann mein Glück gar nicht fassen. So macht Motorrad fahren richtig Spaß. Berge, Bäume, Flüsse, Kurven, dazu wolkenloser Himmel. In Esquel, das durchaus ein netter Ort ist, bekomme ich sogar ein neues Mundstück für mein Trinksystem. Die Fahrt zum Nationalpark Los Alerces ist ein Traum. Die 80km Schotterstraße durch den Park, der wohl einen heftigen Brand hinter sich hat, erinnert durchaus an die auf chilenischer Seite parallel laufende Caretera Austral (wer erkennt das Playboy Häschen?). In schöner Abendstimmung entlang an Seen erreiche ich Bariloche. Periko`s Hostel, das sowohl in meinem Reiseführer als auch im Navi genannt wird, ist sehr empfehlenswert und hat noch ein Bett für zwei Nächte ($250 p.N.) für mich frei.

Mi 24.2.2016

Nachdem Flechas Öl gewechselt gehört und auch sonst einige Servicearbeiten durchgeführt werden müssen, werde ich mich heute um einem Termin in der BMW-Werkstatt in Mendoza kümmern. Den restlichen Tag schaue ich mir Bariloche an und genieße einen „Motorrad-freien“ Tag.

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9. Teil

Do 25.2.2016 Das 7-Seen-Gebiet

Na sowas, es ist bedeckt! Das kenne ich schon gar nicht mehr. Und mit 13°C auch recht kühl und zudem windig, sodass ich alle meine Reißverschlüsse zumache. In Richtung Norden sieht es das Wetter schon besser aus und so freue ich mich schon auf das 7-Seen-Gebiet, nachdem ich mich herzlich von Gisell, der Hostelbesitzerin, verabschiede. Die nun folgende Strecke ist für mich eine der schönsten bislang in Argentinien.

Kurven, toller Belag, atemberaubende Landschaft und jetzt kommt sogar die Sonne langsam hervor! In San Martin de los Andes mache ich Halt an einer Confitería und gönne mir einen ausgezeichneten Kaffee und ein mächtiges Stück Kuchen. Ab hier wird es leider etwas eintöniger und Junin de los Andes ist in meinen Augen längst nicht so pittoresk, wie es in den Reiseführern beschrieben ist. Nach 15km geht es auf die Schotterpiste (RP23). Und schlagartig ändert sich auch wieder der Fahrspaß.

Die Straße führt zumeist am Fluss Río Aluminé entlang und bietet malerische Bilder. Lediglich an Übernachtungsmöglichkeiten mangelt es ein wenig. Bald komme ich an einen kleinen Abzweig durch ein geöffnetes Tor, der sogar im Navi eingezeichnet ist und folge diesem steil bergauf. Arme Flecha Negra hat einiges zu tun. Dafür ist es hier paradiesisch und ein geeigneter Zeltplatz bald gefunden.

wild camp near Río del Gato

wild camp near Río del Gato

Himmlisch diese Ruhe. Schnell steht das Zelt und ich koche mir Gemüse mit Thunfisch und Käse. Anscheinend will der aufkreuzende Esel auch etwas haben. Als ich mich ihm nähere, nimmt er dann Reißaus. Und selbst die Kühe lassen mich hier in Ruhe. Es ist schon dunkel, da kommt doch tatsächlich der Besitzer mit seinem 4×4 flott hochgefahren und hält bei mir an. Ich komme ihm entgegen und frage ihn höflich, ob ich eine Nacht hier bleiben kann. Er willigt sofort ein und wir kommen ins Gespräch. Die Sterne kommen hervor und der noch fast volle Mond sagt mir Gute Nacht. Ein herrlicher Tag!

Fr 26.2.2016 So hilfsbereit

In der Nacht kommen ein paar Tropfen vom Himmel, jedoch als ich am Morgen das Zelt öffne, strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Voller Vorfreude mache ich mich wieder auf die Ruta Provincial 23 (RP23), die so abwechslungsreich und schön ist, dass es unentwegt so weiter gehen könnte.

Bald komme ich in den Ort Aluminé und fülle mein Wasser am Fluss wieder auf. Kaum wieder am Motorrad zurück hält hinter mir ein Pick-Up. Ein Mann in meinem Alter steigt aus. Er sagt, er hätte mich von der anderen Uferseite aus gesehen und sei herüber gekommen, da er dachte ich habe eine Panne. Ich bin sprachlos, bedanke mich vielmals und wünsche ihm einen schönen Tag. Irgendwann mündet leider diese schöne Straße in die asphaltierte RN245, auf der ich mich an den Straßenrand stelle, um wieder den Luftdruck zu erhöhen. Ich habe das Ventil noch nicht geöffnet – und aufgrund meiner Ohrstöpsel das Auto auch nicht gehört – steht ein Mann neben meinem Vorderreifen und fragt mich, ob er mir bei der Reifenpanne helfen könne. Fassungslos ob solch großer Hilfsbereitschaft bedanke ich mich auch bei ihm sehr herzlich für dieses sofortige Angebot, woraufhin auch er beruhigt weiterfährt. Echt klasse! Anstatt mich auf die RN40 zu schlagen, nehme ich erneut eine kleine Seitenstraße RP21. Ein Abstecher über die RP26/27 bringt mich ins Reich der Mapuche und ihr Skigebiet in Caviahue.

RP26 panorama

RP26 panorama

Entsprechend menschenleer ist es hier im Sommer. Die Landschaft ist erneut sehenswert und langsam wird es dunkel. Auf über 1.200m finde ich einen geeigneten Platz nahe der Straße, die glücklicherweise hier oben so gut wie nicht befahren ist. Ich zünde ein Lagerfeuer an und genieße die sternenklare Nacht!

camp fire next to RP21

camp fire next to RP21

Sa 27.2.2016

Trotz der Höhe war die Nacht nicht kalt und die wärmende Sonne lässt die Temperatur schnell auf über 20°C steigen. Weiter auf der RP21 erreiche ich El Cholar, von dort aus es auf der RP6 nach Chos Malal geht. Dort stoße ich wieder auf die geteerte RN40. Ab jetzt beginnt ein Kurveneldorado, das mich in einen Rausch versetzt. Dazu die wunderschöne Landschaft. Herrlich! Leider ist rund 100km vor Malargüe damit Schluss, denn ab hier beginnen die Bauarbeiten. Und das bedeutet viele Spuren im groben Schotter gepaart mit Sand. Volle Konzentration ist gefordert, sodass es im Augenblick auch relativ egal ist, wie es außen herum aussieht. Eine kleine Abwechslung bietet ein beeindruckender Canyon,

canyon on the way to Malargüe

canyon on the way to Malargüe

den das Wasser in Millionen von Jahren dort hat entstehen lassen.Auch eine Maus ist vor Ort (wer findet sie?) Da mein Footprint Handbook nur ein Hostel 5km vor der Stadt bereithält, nehme ich ein zentral gelegenes, das im Navi hinterlegt ist. Zunächst denke ich, dass es geschlossen sei. Bei näherem Hinsehen hat es aber tatsächlich geöffnet. Ich kann wählen zwischen einem Bett im 4-er Zimmer für $120 (inzwischen €7,10, da sich der Kurs weiterhin positiv für mich entwickelt) oder einem Individual-Zimmer für $300 jeweils mit Frühstück. Da ich mir schon denke, dass sich hierher nicht viele verirren, nehme ich das günstige Zimmer und bin alleine auf dem Zimmer. Leider war die Nacht recht unruhig und die Matratze so weich, dass mir alle Knochen wehtun. Man kann eben nicht alles haben. Da ich jetzt erst wieder Internet habe, prüfe ich meine Mails und muss leider feststellen, dass sich BMW aus Mendoza nicht gemeldet hat. Ich hoffe mal, das klappt.

So 28.2.2016 Das abgelegene Tal

Ein Blick auf die Karte zeigt mir ein Tal in Richtung Las Leñas, einem wohl recht bekannten Skigebiet hier. Und so nehme ich den Abzweig nach etwa 30km auf die RP222.

way to Las Leñas

way to Las Leñas

Die Fahrt durch das Tal ist schön, jedoch ist die Straße gespickt mit nicht unerheblich großen Schlaglöchern. Die Berge zeigen verschiedene Schichten und unterschiedlichsten Farben. Ein kleine Attraktion sind die eingestürzten Kalkhöhlen El Pozo de Las Animas.

El pozo de las Animas

El pozo de las Animas

Der Skiort selbst ist naturgemäß nicht spannend. Ein Schild verweist aber auf das Valle Hermoso (das schöne Tal), da sich über eine Schotterstraße 25km weiter bergauf befindet. Beim Ablassen der Luft entdecke ich, dass mein hinteres Schutzblech wackelt wie ein Kuhschwanz und nur noch von einer Schraube gehalten wird, da eine andere Schraube samt Halterung abgebrochen ist und die Plastiköse für die dritte Schraube ausgerissen ist. Na gut, im Augenblick kann ich es nicht ändern. Durch enge Kehren und Wasserfurten, grobe Steine und Sand geht es immer weiter nach oben auf knapp 3.000m.

way to Valle Hermoso

way to Valle Hermoso

Schon bis hierher hat es sich gelohnt, diese karge Landschaft mit der Farbenvielfalt zu entdecken, wobei sich zwischendrin immer wieder grüne Adern durch das Tal ziehen, wo das Wasser seinen Lauf nimmt. Was danach kommt, macht mich sprachlos, habe ich so etwas hier oben nicht erwartet. Das Valle Hermosa macht seinem Namen wirklich Ehre.

the Valle Hermoso

the Valle Hermoso

Unglaublich schön und auf Bildern gar nicht so gut festzuhalten. Auf dem Rückweg wird mir doch tatsächlich ein Wasserloch zum Verhängnis. Anstatt nach vorne zu schauen, zähle ich Steinchen und plumpse dementsprechend, quasi wieder im Stehen, dieses Mal auf die rechte Seite. Bis zum Knöchel stehe ich im Wasser und stelle schnell fest, dass meine Endurostiefel immer noch nicht wasserdicht sind. Bis ich überhaupt daran denke, ein Foto zu schießen, steigen zwei Jungs aus ihrem Auto, das ich zuvor überholt habe, und stiegen mit ihren Crocs sofort ins Wasser und helfen mir dabei, Flecha wieder aufzurichten. Sie steht und ich kann wieder weiterfahren. Toll! Nach einer Pause in Las Leñas komme ich zurück auf die RN40. Ich hadere mit mir, ob ich es mir wirklich antun möchte, die lange nur geradeaus führende Straße nach San Rafael zu fahren, nur um mir den Cañón de Atuel anzusehen. Schlussendlich entscheide ich mich dafür und werde keineswegs enttäuscht. Über Nihuil komme ich in das Tal. Eine Serpentinenstraße führt hinunter. Dann geht es 50km dem Fluß entlang. Traumhaft schön!

Am Ende der Strecke, ich habe den Teer fast erreicht, muss ich feststellen, das Flecha heute noch mehr Federn gelassen hat, denn nun wackelt die Armatur samt Scheinwerfer ebenfalls wie ein Kuhschwanz. Das alles nur an zwei Schrauben befestigt ist, wundert es mich auch nicht, wenn eine davon fehlt. Und dann stelle ich noch fest, dass ich mein gutes Handtuch im letzten Hostel vergessen habe. In San Rafael folge ich erneut meinem Handbook und lande bei Alberto (www.trotamundushostel.com.ar.). Sehr freundlich und sauber, die Matratze leider mehr einer Hängematte gleichend. Aber für $150 inklusive Frühstück kann ich nicht meckern.

Mo 29.2.2016 Mendoza

Nach netter Verabschiedung samt neuem Sticker auf meinem Koffer fahre ich los und stelle an der dritten Ampel fest, dass ich meine Brille im Hostel vergessen habe. Das kann ja heute was werden. Die Strecke nach Mendoza ist unglaublich langweilig, nur als die hohen, Schnee bedeckten Berge in der Ferne auftauchen, werde ich etwas entschädigt. Um 15.30 Uhr bin ich beim BMW Händler, jedoch ist der Mechaniker schon weg. Ich solle morgen um 8.30 Uhr vorbeikommen. Auch gut, solange sie mir den Service morgen auch machen. Jetzt geht es auf die Suche nach einer Unterkunft und ich lande im Alamo Hostel mit kleinem Innenhof samt Pool.

Pool at Alamo Hostel Mendoza

Pool at Alamo Hostel Mendoza

Erneut sind alle sehr freundlich, es ist sauber, hat ein sehr gutes Bett und einen abgesperrten Parkplatz vor der Tür. Hier werde ich für die nächsten vier Nächte bleiben.

Weiter im März

 

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One thought on “Februar 2016

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